/ 20.06.2013
Hans Jürgen Degen / Jochen Knoblauch
Anarchismus. Eine Einführung
Stuttgart: Schmetterling Verlag 2006 (Theorie.org); 213 S.; brosch., 10,- €; ISBN 978-3-89657-585-2Anarchismus, so vermittelt das Buch, ist eher eine Praxis als eine Theorie. Genauer: Es handelt sich bei ihm um eine (mindestens indirekte) Kritik am Marxismus-Leninismus, die zwar dessen Hoffnung, nicht aber seinen Etatismus teilt. Ideologisch derart zugespitzt, beschränken sich die Autoren auf die Darstellung von neun theoretischen Positionen von William Godwin bis Rudolf Rocker und sechs realen Umbruchsituationen von der Französischen Revolution bis zum Spanischen Bürgerkrieg. Damit scheint der Anarchismus mit dem Zweiten Weltkrieg zu seinem Ende gekommen zu sein (reichlich drei Seiten sind der Zeit danach gewidmet), was umso bedauerlicher ist, als beide Autoren sehr wohl für die Aktualität anarchistischer Positionen werben wollen. Aufgrund ihrer engen Koppelung anarchistischer Praxis an marxistische Theorien werden Degen und Knoblauch der Komplexität ihres Gegenstandes allerdings nicht gerecht. Zwar beschäftigen sie sich auf vierzig Seiten mit den systematischen Konfliktlinien zwischen Staat, Parlament, Kapitalismus und Gewerkschaften. Aber auch hier touchieren sie die zeitgenössischen Debatten allenfalls. Von der Tiefe und der Ideologien übergreifenden Bedeutung des Anarchismus, die Peter Rinderle (siehe ZPol 3/06: 1.211 f., ZPol-Nr. 28873) kürzlich heraus gearbeitet hat, ist bei ihnen leider kaum etwas zu erfahren.
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.43 | 5.33 | 2.61 | 2.62 | 2.65 | 2.311 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Hans Jürgen Degen / Jochen Knoblauch: Anarchismus. Stuttgart: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23687-anarchismus_27214, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27214
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Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
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