/ 21.06.2013
Wiebke Schröder
Zwischen den USA und der Volksrepublik China. Interessen und Präferenzen deutscher Unternehmen
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 259 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-17030-5Lässt sich die außenpolitische Orientierung der Bundesrepublik mit den ökonomischen Präferenzen deutscher Unternehmen erklären und vorhersagen? Die Autorin überprüft den Ansatz des Neuen Liberalismus von Andrew Moravcsik, dem zufolge ein solcher Zusammenhang unterstellt werden kann. Erklärtes Ziel der Autorin ist es, einen Beitrag zur Theoriediskussion auf dem Gebiet der Außenpolitikanalyse zu leisten und die „Denk- und Handlungsweisen wirtschaftlicher Akteure der politikwissenschaftlichen Debatte zugänglich zu machen“ (16). Untersucht werden die Entstehung und Entwicklung der Interessen der deutschen Wirtschaft gegenüber China und den USA im Zeitraum von 1997 bis 2006. Dies geschieht erstens auf der Makroebene: Danach hätten beide Volkswirtschaften für die deutsche Wirtschaft an Bedeutung gewonnen, im Bereich der Kapitalverflechtungen verfügten die USA über einen Vorsprung, im Bereich des Warenhandels habe China die USA eingeholt. Zweitens unternimmt die Autorin eine mikrofundierte Analyse anhand der fünf deutschen Unternehmen BASF, Daimler, Siemens, Deutsche Bank und Allianz. Dabei zeigt sich, dass sich für die Unternehmen „die Frage USA oder China [...] so nicht stellt“ (196). Sie expandierten nicht nach China, weil die USA nicht mehr interessant seien, sondern weil mit der Öffnung Chinas ein neuer Absatzmarkt entstanden sei. Unternehmen betrachteten ihre Umwelt „durch das Raster von Produkten und Märkten“, daraus resultierende Entscheidungen erfolgten nach unternehmerischem Kalkül, sie seien „dynamisch und wandelbar“ (203). Für eine Prognose der künftigen außenpolitischen Orientierung erweisen sich die wirtschaftlichen Präferenzen bedeutender Wirtschaftsunternehmen daher als nicht tauglich. „Der Neue Liberalismus scheint hingegen anwendbar“, so die Autorin, „um einzelne politische Entscheidungen im Nachhinein zu erklären“ (208).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.21
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Wiebke Schröder: Zwischen den USA und der Volksrepublik China. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31725-zwischen-den-usa-und-der-volksrepublik-china_37801, veröffentlicht am 23.02.2010.
Buch-Nr.: 37801
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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