/ 22.06.2013
Pia Molitor
Partner in der Führung. Die Deutschlandpolitik der Regierung Bush/Baker als Faktor amerikanischen Machterhalts
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2012; 800 S.; 98,- €; ISBN 978-3-506-77344-9Diss. Bonn; Begutachtung: M. Funke, W. Hilz. – „Die USA gingen aus der Beendigung des Kalten Krieges auf internationaler Ebene als unipolare Führungsmacht hervor. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit der Regierung Bush/Baker mit der Bundesregierung trug wesentlich dazu bei, dass ihre Rolle als ‚europäische Macht‘ erhalten blieb.“ (747) Wenn man der Autorin bis zu diesem Satz in ihrer umfänglichen Außenpolitikanalyse gefolgt ist, dann hat man auf den Seiten zuvor nicht unbedingt überraschende Erkenntnisse und Einsichten in die Überlegungen und Planungen der US‑Administration oder der Bundesregierung der Jahre 1989 bis 1992/93 gewonnen. Pia Molitor weist jedoch akribisch nach, wie fundiert die Schlussfolgerungen sind, die man in der Erinnerungsliteratur und den wissenschaftlichen Darstellungen der vergangenen Jahrzehnte schon angedeutet fand, aber nicht in einer kritischen Zusammenschau analysiert erhielt. Hier liegt der besondere Wert dieser detail‑ und kenntnisreichen Untersuchung über die Strategie der USA und ihren Ansatz, Deutschland in einer Partnerschaft in der Führung zu verstehen. Molitor beschreibt, wie Washington seine vor 1989 erreichte Machtposition nicht nur behalten, sondern nach 1990 ausbauen konnte, indem die Regierung unter Präsident Bush das wiedervereinigte Deutschland in der NATO etablierte und gleichzeitig nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion deren Osterweiterung betrieb. Das war keinesfalls ein Reflex der Kalten Krieger, sondern ist als Qualitätsveränderung der bisherigen Sicherheitspolitik zu verstehen. Molitors Darstellung basiert wesentlich auf ihren Zeitzeugenbefragungen von hochrangigen Regierungsmitgliedern vor allem in Washington, die sie schon 1996/1997 realisierte. Dass sie sich dabei mehr auf die US‑amerikanischen Akteure konzentrierte, ergibt sich nachvollziehbar aus der Zielrichtung der Arbeit, die Bush/Baker‑Perspektive zu erhellen. Sicherlich ließe sich die Darstellung auch um viele Abschnitte kürzen, ohne dem Aussagewert der Arbeit Gewalt anzutun – Fußnoten, die mitunter ganze Textseiten ausfüllen, sind bei Molitor keine Seltenheit, ebenso wenig Exkurse oder ausführliche Zitate, die den Erkenntnisgewinn nicht sonderlich fördern. Die Arbeit ist unbestritten eine quellengesättigte Analyse. Die Autorin stellt in jeder Phase die richtigen, weiterführenden Fragen. Damit hebt sie sich deutlich und positiv von der Schar derer ab, die ihre sicherheitspolitischen Erkenntnisse allein aus Presseerklärungen ableiten.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 4.22 | 2.64 | 4.3 | 2.315 | 4.21
Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Pia Molitor: Partner in der Führung. Paderborn u. a.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34179-partner-in-der-fuehrung_40997, veröffentlicht am 21.03.2013.
Buch-Nr.: 40997
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Dr., Historiker.
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