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/ 25.07.2013
Maja Bächler

Inszenierte Bedrohung. Folter im US-amerikanischen Kriegsfilm 1979-2009

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2013; 399 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-593-39846-4
Geschichtswiss. Diss. Potsdam; Begutachtung: R. Pröve, H. Münkler. – Folter ist weltweit (meist) sowohl rechtlich verboten als auch ethisch geächtet, trotzdem ist sie als Herrschaftspraktik weiterhin präsent. Dabei findet sie „außerhalb der sozialen, kulturellen und juristischen Ordnung statt. Sie wird zu einer Praxis des Ausnahmezustands.“ (41) Maja Bächler widmet sich in ihrer ausführlichen Studie diesem schattenhaften Status der Folter und spürt deren Repräsentation im Hollywoodkino der vergangenen Jahrzehnte nach. Ihrer Analyse legt sie eine Vielzahl theoretischer Stichworte zugrunde – von Giorgio Agambens Homo Sacer und Walter Benjamins Ausnahmezustand als Regel bis zu Jean Baudrillards Hyperrealität – und will damit nachverfolgen, wie und auf welche Weise die inszenierte Folter zu einem legitimen, identitäts‑ und realitätsstiftenden Element unserer Gegenwart wird. In geschlossener Essayform widmet sie sich acht Kriegs‑ und Terrorismusfilmen, um neben der Analyse der dargestellten Folter auch den jeweiligen Entstehungs‑ und zeithistorischen Kontext in den Blick zu bekommen. Jeder Teil zielt dabei auf unterschiedliche Aspekte in der Darstellung und verknüpft diese mit politischen und öffentlichen Diskursen. So biete sich beispielsweise der Film „Death before Dishonor“ für eine tiefere Reflexion über stereotype Helden‑ und „Feinddarstellung des ‚islamisch‑arabischen‘ Gegenübers“ (72) an, die sich andererseits mit „The Hunt for Eagle One“ auch wieder herausfordern lasse. Und während „Rendition“ vor allem im Hinblick auf die Bandbreite von Foltermethoden zu untersuchen sei, könnten Fragen von Gender‑Konstruktionen besser an „The Siege“ nachempfunden werden. Schließlich, so resümiert Bächler, führe die filmische Darstellung die Folter wieder in unseren kulturellen und sozialen Handlungsraum ein und erfülle so distinkte Funktionen der Identitätskonstruktion, der Legitimation durch Bedrohungsszenarien und der Affirmation eines Nationalkörpers. Der zur Regel gewordene Ausnahmezustand stelle sich uns daher „in der Normalisierung der Folter durch seine performative Inszenierung dar“ (329). – Dies ist eine zutiefst beunruhigende Tendenz, gegen die Bächler ihre Studie kritisch positioniert.
Alexander Struwe (AST)
B. A., Politikwissenschaftler, Student, Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Rubrizierung: 2.642.23 Empfohlene Zitierweise: Alexander Struwe, Rezension zu: Maja Bächler: Inszenierte Bedrohung. Frankfurt a. M./New York: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35987-inszenierte-bedrohung_43970, veröffentlicht am 25.07.2013. Buch-Nr.: 43970 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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