/ 21.06.2013
Klaus Schlichte
In the Shadow of Violence. The Politics of Armed Groups
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2009 (Mikropolitik der Gewalt 1); 256 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-593-38411-5In diesem extrem dichten Band wird hinterfragt, warum manche bewaffneten Gruppen erfolgreicher darin sind ihre Ziele zu erreichen als andere. Warum schaffen es einige Gruppen, ihre militärische Kontrolle über ein Gebiet in legitime Herrschaft umzuwandeln, während andere Gruppen nach einiger Zeit bedeutungslos werden? „Insurgents need to turn […] power into more stable relations and ultimately into domination“ (19). Schlichtes zentrale These lautet, dass die direkten und indirekten Auswirkungen von Gewalt die entscheidenden Elemente für den Erfolg oder Misserfolg bewaffneter Gruppen sind. Er untersucht zunächst die Mechanismen, die für das Entstehen bewaffneter Gruppen verantwortlich sind, bevor er unterschiedliche Arten der Gewalt und deren Auswirkungen analysiert. Alle bewaffneten Gruppen wendeten Gewalt an und stünden vor dem Problem, dass sie sich durch willkürliche oder exzessive Gewaltanwendung selbst delegitimierten. Gleichzeitig verursache Gewaltanwendung nicht nur bei den Opfern, sondern auch bei den Tätern Traumata und nachhaltige psychische Störungen. Um die negativen Auswirkungen von Gewalt auszugleichen, versuchten bewaffnete Gruppen auf mehreren Ebenen (gruppenintern, national, international) durch verschiedene diskursive Praktiken Legitimität für sich selbst zu schaffen. Sei die Gruppe jedoch wirtschaftlich von ausländischen Gebern abhängig oder vermöge sie es nicht, in ihrem neu eroberten Gebiet einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf herzustellen, bleibe auch die Legitimität gering. Schlichte zeigt, dass diese Prozesse wiederum eng mit der Gruppenhierarchie und dem Grad der Institutionalisierung und Formalisierung zusammenhängen. In einem finalen Kapitel werden die möglichen positiven Zusammenhänge zwischen bewaffneten Gruppen und State Building aufgezeigt. Diese hervorragende Studie erweitert den bisherigen Wissensstand um zentrale Einsichten und Zusammenhänge, da sie einen deutlich heuristischeren Blick als beispielsweise die Greed- vs. Grievance-Debatte verfolgt.
Matthias Seifert (MSE)
Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
Rubrizierung: 4.41
Empfohlene Zitierweise: Matthias Seifert, Rezension zu: Klaus Schlichte: In the Shadow of Violence. Frankfurt a. M./New York: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30927-in-the-shadow-of-violence_36755, veröffentlicht am 24.07.2009.
Buch-Nr.: 36755
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Politikwissenschaftler, Lehrer für Gemeinschaftskunde und Englisch, Gymnasium Englisches Institut Heidelberg.
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