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/ 20.06.2013
Marc Coester

Hate Crimes. Das Konzept der Hate Crimes aus den USA unter besonderer Berücksichtigung des Rechtsextremismus in Deutschland

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008; XXVI, 515 S.; 78,- €; ISBN 978-3-631-57898-8
Diss. Tübingen; Gutachter: S. Müller, H.-J. Kerner. – Aus kriminologisch-sozialwissenschaftlicher Perspektive analysiert der Autor die Entstehung, Entfaltung und rechtliche Einordnung des Konzepts der Hate Crimes in den USA. Indem er dieses einer deutschen Konzeption von Rechtsextremismus gegenüberstellt, beantwortet er zwei zentrale Fragen: Wie gestaltet sich die mehrperspektivische Wirklichkeitskonstruktion der Konzepte? Und was ergibt sich bei deren Gegenüberstellung anhand verschiedener Wirklichkeitsebenen wie der Definition und der Entwicklung, aber auch dem justiziellen Umgang, dem quantitativen Profil oder dem präventiv-pädagogischen Umgang? Er kommt zu dem Ergebnis, das polizeilich registrierte, aber auch gesellschaftlich beschriebene Phänomene stark divergieren. Während in den USA ideologisch beziehungsweise rechtsextrem motivierten Taten keine große Bedeutung zukomme, und Hate Crimes vielmehr als gegen den Gruppenkontext der Gesellschaft gerichtete Verbrechen verstanden würden, beschreibe Rechtsextremismus in Deutschland ein „eher jugendtypisches Phänomen mit staatspolitischer Ausrichtung“ (464). Daher werde ein Teil der Vorurteilskriminalität in Deutschland bisher nicht identifiziert, weil ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein für das Konzept nicht bestehe. Während Rechtsextremismus in Deutschland ein politisches Modell zugrunde liege und dieser stark auf die Jugend fokussiert sei, werde in den USA vielmehr auf sozial-psychologische Strukturen Bezug genommen, politische Ansätze würden vernachlässigt und mehr auf Vorurteile abgehoben. In Diskussionen über eine Übertragbarkeit müsse bedacht werden, dass es beispielsweise anstelle einer Übernahme gesetzlicher Normen zu prüfen gelte, wo wirklich sozial-kulturell-politische Anknüpfungspunkte bestünden und die Übernahme einen Gewinn gegenüber den bestehenden Konzepten bedeute. Zu stärken gelte es in Deutschland beispielsweise die Opferperspektive. Es ist das Verdienst des Autors, ein nicht ausreichend beachtetes Konzept für die deutsche Diskussion nutzbar gemacht zu haben.
Jan Schedler (JS)
Diplom-Sozialwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Fakultät für Sozialwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.252.642.37 Empfohlene Zitierweise: Jan Schedler, Rezension zu: Marc Coester: Hate Crimes. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21892-hate-crimes_36192, veröffentlicht am 05.05.2009. Buch-Nr.: 36192 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA