/ 09.10.2014
Katrin Merhof
Der internationale und innerstaatliche Schutz von Arbeitnehmerrechten in der kolumbianischen Blumenindustrie. Recht und Rechtswirklichkeit
Tübingen: Mohr Siebeck 2014 (Jus Internationale et Europaeum 92); XVII, 384 S.; 69,- €; ISBN 978-3-16-153220-7Rechtswiss. Diss. Gießen; Begutachtung: T. Marauhn, B.‑O. Bryde. – Die Blumenindustrie in Kolumbien ist ein bedeutender Wirtschaftssektor, Schnittblumen sind nach Kaffee das zweitgrößte Exportgut, wichtigster Handelspartner sind die USA. Diese Industrie wurde von entwicklungspolitischen Institutionen als Strategie gegen die Armut der ländlichen Bevölkerung aufgebaut. Katrin Merhof nimmt diesen maßgeblich von externen Akteuren beeinflussten Wirtschaftszweig als Fallbeispiel für eine umfassende Analyse des kolumbianischen Arbeitsrechts und seiner Umsetzung. Es geht ihr nicht nur darum, Umfang und Defizite beim Arbeitnehmerschutz herauszuarbeiten, sondern auch den Einfluss der an der Rechtsentwicklung beteiligten nationalen wie externen Akteure aufzuzeigen. Merhof bietet zunächst einen Überblick über das kolumbianische Rechtssystem und macht hierbei auf die Vorreiterstellung des Verfassungsgerichts „für eine fortschrittliche Verfassungsrechtsprechung“ (50) aufmerksam. Ausführlich beschreibt sie dann die individual‑ und kollektivrechtliche Situation der Beschäftigten in der Blumenindustrie, die sich in vielerlei Hinsicht äußerst belastend darstellt. Ein hoher Leistungsdruck, Lohneinbußen bei Überstunden, mangelhafter Gesundheitsschutz sowie atypische Beschäftigungsformen, durch die Arbeits‑ und Kündigungsschutznormen ausgehebelt werden, sind nur einige der dargelegten Bedingungen. Eine gewerkschaftliche Organisierung ist, wie allgemein in Kolumbien, wenig ausgeprägt. Für Frauen, die Mehrheit der Beschäftigten, kommen erschwerend Diskriminierungen in Bezug auf Schwangerschaft und Mutterschutz hinzu. Das Hauptproblem sieht Merhof in der mangelnden Einhaltung des Rechts und deren Kontrolle. Die Arbeitsgerichte seien schlecht ausgestattet, die Arbeitsaufsicht überlastet. Merhof fordert daher eine Reform der Arbeitsaufsicht. Während der Gesetzgeber jedoch vorwiegend auf die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zielt, zeigt sich das Verfassungsgericht als „Fürsprecher der Arbeitnehmer“ (316). Als internationale Akteure stehen sich die ILO, die sich für Arbeitnehmerrechte stark macht, und die Weltbank, die „nach wie vor Liberalisierungs‑ und Flexibilisierungsprozesse belohnt“ (299), gegenseitig im Weg. Einfluss auf die Arbeitsgesetzgebung üben zudem die USA mit einem Aktionsplan und dem Freihandelsabkommen aus, doch begnügen diese sich „mit oberflächlichen Ergebnissen“ (343). Abschließend betrachtet die Autorin ihre Erkenntnisse im Kontext der Frage nach dem Zusammenhang von Recht und Entwicklung.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.65 | 2.22 | 2.262 | 2.27 | 4.3 | 4.42 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Katrin Merhof: Der internationale und innerstaatliche Schutz von Arbeitnehmerrechten in der kolumbianischen Blumenindustrie. Tübingen: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37646-der-internationale-und-innerstaatliche-schutz-von-arbeitnehmerrechten-in-der-kolumbianischen-blumenindustrie_45793, veröffentlicht am 09.10.2014. Buch-Nr.: 45793 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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