/ 22.06.2013
Patrick Ostermann / Claudia Müller / Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.)
Der Grenzraum als Erinnerungsort. Über den Wandel zu einer postnationalen Erinnerungskultur in Europa
Bielefeld: transcript Verlag 2012 (Histoire 34); 253 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-8376-2066-5Auch wenn der Untertitel den „Wandel zu einer postnationalen Erinnerungskultur in Europa“ konstatiert, ist vielfach eine „Renationalisierung“ (15) auf dem „Schlachtfeld Erinnerung“ (siehe Buch-Nr. 40318) festzustellen. Deutlich wird dies besonders in den Beiträgen zum italienisch-slowenischen Grenzraum, die einen Schwerpunkt des Bandes bilden. Er geht zurück auf eine internationale Tagung von Historikern und Soziologen im Juli 2010 in Trient. Der Beitrag des slowenisch-italienischen Historikers Jože Pirjevec über die Triest-Frage zeigt beispielhaft die „anhaltenden nationalen Geltungsbehauptungen in der Deutung historischer Ereignisse“ (15). Ein 2009 erschienenes Buch von Pirjevec über die Foibe-Massaker des Zweiten Weltkriegs und deren Instrumentalisierung im politischen Diskurs hatte entsprechend kontroverse Diskussionen nach sich gezogen. Historisch weiter in der Vergangenheit liegen die Minderheitenkonflikte in den national durchmischten Grenzgebieten Italiens und Österreichs, die der slowenische Historiker Borut Klabjan nachzeichnet. Er untersucht die weitgehend italienisch-national geprägten Gedenkfeiern für die im Ersten Weltkrieg gefallenen unbekannten Soldaten. Gleichwohl ist gerade den Grenzräumen in erinnerungskultureller Hinsicht ein besonderes Potenzial zuzuschreiben, da hier regionale, nationale und europäische Deutungsmuster aufeinandertreffen. Im italienisch-österreichischen Grenzraum ist in diesem Umfeld nach Meinung der Herausgeber die Entstehung einer „sich öffnenden europäischen Erinnerungskultur“ (16 f.) zu beobachten. Kontroverse Themen wie die Ereignisse der Gebirgskämpfe im Ersten Weltkrieg liegen allerdings auch weit länger zurück als die durch den Kalten Krieg konservierten und stellenweise neu aufgeladenen italienisch-slowenischen Differenzen. Das „apologetische Gegensatzpaar von Italienern und Deutschen“ (246) kann somit als überwunden gelten. Für das Verhältnis von Italienern und Slowenen ist hier noch mehr Zeit von Nöten.
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.4 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Patrick Ostermann / Claudia Müller / Karl-Siegbert Rehberg (Hrsg.): Der Grenzraum als Erinnerungsort. Bielefeld: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35675-der-grenzraum-als-erinnerungsort_43076, veröffentlicht am 06.12.2012.
Buch-Nr.: 43076
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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