/ 22.06.2013
Georg Kreis
Das "Helvetische Malaise" Max Imbodens historischer Zuruf und seine überzeitliche Bedeutung
Zürich: Verlag Neue Zürcher Zeitung (NZZ Libro) 2011 (Die Neue Polis); 164 S.; kart., 21,- €; ISBN 978-3-03823-707-5„Die Frage einer Totalrevision der schweizerischen Bundesverfassung liegt in der Luft“ (141), schrieb der Jurist und Politiker Max Imboden in der 1964 erschienenen „Helvetischen Malaise“ und sorgte damit für erhebliches Aufsehen. Seiner Meinung befand sich das Land in einer „seltsame[n] Mittellage zwischen ungebrochener Zuversicht und nagendem Zweifel“ (85) und sah sich den kommenden Herausforderungen nicht ausreichend gewachsen. Diese Diagnose machte er nicht nur an einer unzureichenden Ausgestaltung der rechtlichen Ordnung fest, sondern unter anderem auch an einer seiner Ansicht nach verweigerten demokratischen Teilnahme, ablesbar an der sinkenden Wahlbeteiligung, und einer leer laufenden politischen Propaganda. Imboden empfahl dem Bund, neben einer neuen Verfassung, einen Stab hoch qualifizierter Fachleute zu beschäftigen, die „die kommende Gesetzgebung vorzubereiten hätten“ (145); dieser zivile Generalstab sollte unabhängig von der Verwaltung arbeiten und jederzeit vom Parlament zu konsultieren sein. – Der schweizerischen Rechtsentwicklung gab Imboden mit seiner Schrift wichtige Impulse. Mit dieser Neuedition nun werde diese historische Intervention in den zeitgeschichtlichen Kontext eingeordnet, so Georg Kreis im Vorwort. Der Schrift vorangestellt ist deshalb eine ausführliche Einführung, in der Kreis die Schweiz der 1960er-Jahre als ein Land im Umbruch charakterisiert sowie Imboden als betriebsamen Akteur des rechtlichen und politischen Geschehens vorstellt. Erläutert wird ferner, wie die „Helvetische Malaise“ aufgenommen wurde. Ihr Wiederabdruck ist dann durchgängig mit einem detaillierten Kommentar Kreis’ versehen. Geboten werden so nicht nur einzelne Erläuterungen zum Kontext der Schrift und der Absicht des Autors, sondern auch zu wichtigen Entwicklungen, etwa mit Blick auf Wahlbeteiligung und Wahlverfahren, das Frauenwahlrecht, die wiederholt gescheiterte Einführung der Gesetzesinitiative und die Bedeutung der parlamentarischen Initiative.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.5 | 2.21 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Georg Kreis: Das "Helvetische Malaise" Zürich: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34763-das-helvetische-malaise_41787, veröffentlicht am 03.05.2012.
Buch-Nr.: 41787
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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