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/ 20.06.2013
Oliver Quiring

Wirtschaftsberichterstattung und Wahlen

Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH 2004; 300 S.; brosch., 29,- €; ISBN 3-89669-437-5
Kommunikationswiss. Diss. Erlangen-Nürnberg; Gutachter: W. Schulz, B. Westle. - Das Fernsehen verzerrt die Wirklichkeit und macht keinesfalls schlauer. Zu diesem Ergebnis kommt, etwas salopp wiedergegeben, Quiring nach einer Auswertung der Wirtschaftsberichterstattung in den Nachrichtensendungen Tages/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 (ARD), Heute-Journal (ZDF), RTL-Aktuell und SAT.1 18:30 zwischen August 1994 und September 1998 - im Durchschnitt waren dies drei bis vier Berichte pro Sender und Woche. Diese Berichterstattung setzte er in Beziehung zur realen wirtschaftlichen Entwicklung und zu kontinuierlich erhobenen Umfrageergebnissen des Forsa-Instituts. Dieses hatte nach dem Interesse an wirtschaftlichen Themen gefragt, außerdem nach der Problemsicht der Bevölkerung und ihren Erwartungen, den Kandidatenpräferenzen und der angenommenen Kompetenz der Parteien. Dabei zeigte sich, dass nicht nur die Zuschauer einer Berichterstattung über negative Entwicklungen mehr Beachtung schenken als über positive. Eine wichtige Feststellung ist, dass die Fernsehnachrichten die negativen Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung übertrieben, „ohne beim Publikum ein breiteres Verständnis für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge zu fördern" (155). Sie hätten damit „den großen Pessimismus der Bevölkerung in den Jahren 1996 bis 1997" (156) beeinflusst. Auch die Kompetenz der etablierten Parteien sei eher ungünstig dargestellt worden. Quiring kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirtschaftsberichterstattung für die Bundesregierung unter Kohl weitreichende politische Folgen hatte. Spätestens ab Ende 1995 habe sie stetig an Zuspruch verloren. Schröder hingegen sei nach seiner Nominierung zum Kanzlerkandidaten als Wirtschaftsfachmann dargestellt worden. Und da die wirtschaftlichen Erwartungen der Bevölkerung „eine gewisse Abhängigkeit von der Berichterstattung aufwiesen" (237), konstatiert der Autor einen zumindest indirekten Einfluss der Berichterstattung auf die Wahlentscheidung der Bürger.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3332.332 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Oliver Quiring: Wirtschaftsberichterstattung und Wahlen Konstanz: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22342-wirtschaftsberichterstattung-und-wahlen_25484, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25484 Rezension drucken
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