/ 12.06.2013
Brigitte Baumeister
Welchen Preis hat die Macht? Eine Frau zwischen Kohl und Schäuble. Die Ex-Schatzmeisterin und die schwarzen Kassen der CDU
München: Wilhelm Heyne Verlag 2004; 288 S.; 2. Aufl.; geb., 18,- €; ISBN 3-453-88102-8„In meiner Zeit als Schatzmeisterin bin ich auch als ein dekoratives Aushängeschild für einen höchst halbherzigen Neuanfang nach der Flick-Affäre benutzt worden" (258), schreibt Baumeister. Diese Erkenntnis steht am Ende einer politischen Karriere und nach persönlichen Enttäuschungen, ausgelöst durch die 100.000 Mark-Spende des Waffenhändlers Schreiber an den damaligen CDU-Fraktionschef Schäuble. Baumeister war 1992 CDU-Schatzmeisterin geworden und sollte Spenden akquirieren. Für deren Verbuchung war sie nicht zuständig. Sie erzählt, wie kurz nach ihrem Amtsantritt Akten aus ihrem Büro verschwanden und sie es mit alten Seilschaften und zwielichtigen Geschäftspraktiken zu tun bekam - ohne in das geheime Finanzsystem der CDU eingeweiht worden zu sein. Aber zwischen ihr und Schäuble habe sich eine sehr enge Beziehung entwickelt. Mit dieser erklärt sie auch den „Vernichtungsfeldzug" (117), den Schäuble gegen sie führte, nachdem sie sich weigerte, für ihn zu lügen. Im Zentrum des Konflikts steht die Frage, wer die 100.000 Mark in bar von Schreiber erhalten hat. Baumeister beschreibt die Geldübergabe und die nachfolgenden Tage so ausführlich und schlüssig, dass kein Zweifel an ihrer Darstellung angebracht erscheint. Die Behauptung Schäubles, er selbst und nicht Baumeister habe zu einem früheren Zeitpunkt das Geld in Empfang genommen, erklärt sie damit, dass Schäuble keinesfalls in den Verdacht der Korruption geraten wollte - die Spende habe als spontane Unterstützung erscheinen sollen. Unbestritten ist, dass Schreiber keine Spendenbescheinigung verlangte und erhielt, außerdem wurde die Summe entgegen den Bestimmungen des Parteispendengesetzes nicht veröffentlicht. Anhand von Baumeisters Schilderung werden zwei Aspekte deutlich: Zum einen die politische Kultur, die in der CDU herrscht(e) - eine Kultur, in der sie sich meinte zwischen der „Loyalität zum Rechtsstaat und der Loyalität zu Schäuble und damit auch zur CDU" (191) entscheiden zu müssen. Und zum anderen die Frauenfeindlichkeit, mit der Schäuble sie nach dem Zerwürfnis klischeehaft als hysterisch hinstellte und dabei von einigen Medien mit großen Aufmachern unterstützt wurde. Ihre Demontage sei nur möglich gewesen, so Baumeister, weil sie selbst „zu wenig getan [hat], um [ihre] Macht abzusichern" (258).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Brigitte Baumeister: Welchen Preis hat die Macht? München: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14259-welchen-preis-hat-die-macht_24956, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 24956
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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