/ 17.06.2013
Michael Zöller
Vom Betreuungsstaat zur Bürgergesellschaft. Kann die Gesellschaft sich selbst regeln und erneuern? VII. Kongreß. Junge Kulturwissenschaft und Praxis Köln, 14.-16. Juni 2000
Köln: Wirtschaftsverlag Bachem 2000 (Veröffentlichungen der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung 55); 306 S.; 12,27 €; ISBN 3-7616-1473-XDie Bürgergesellschaft ist in aller Munde - angesichts leerer Kassen wird der Bürger parteiübergreifend zu mehr Engagement aufgerufen. Doch dies sei nicht nur Ausdruck eines gewandelten Denkens - so die zentrale These der Referenten -, sondern erfordere zugleich ein gewandeltes Verständnis von Staatlichkeit und eine Reform der Demokratie. Wie dies im Einzelnen zu denken ist, diskutierten vornehmlich besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftler auf dem gleichnamigen Kongress, den der Band dokumentiert.
Aus dem Inhalt: Otto Depenheuer: Rechtsstaat und Globalisierung (19-27); Enrico Colombatto: Transformation "West" und Zivilgesellschaft (28-36). I. Ideenwettbewerb statt Parteienkartell: Die Zukunftsfähigkeit der Bürgergesellschaft: Linda C. Raeder: Das Wesen der Zivilgesellschaft: eine amerikanische Perspektive (38-44); Rupert Graf Strachwitz: Stiftungen als Modelle zur Entstaatlichung des öffentlichen Lebens? (45-50); Erwin K. Scheuch: "Ideenunternehmer" und "neue Allianzen": Wie die Bürgergesellschaft Parteienwettbewerb fördern und politische Meinungsbildung privatisieren kann (51-61); Stephan Ruß-Mohl: Welche Medien braucht der Ideenwettbewerb? (62-86). II. Vom Betreuungsstaat zur Bürgergesellschaft... Thesenreferate und Kurzresümees der Arbeitskreise: Arbeitskreis 1: Schwerpunkt Politikwissenschaft: Die Bürgergesellschaft und der politische Wettbewerb: Gerd Strohmeier: Konsequenzen nachfrageorientierter Politik: Plebiszitärer Parteienstaat oder opportunistische Parteienlethargie? (90-97); Anke Hassel: Die Rolle der Tarifparteien bei der Reform europäischer Wohlfahrtsstaaten (98-104); Michael Vilain: Rückzug des Staates aus der Wohlfahrtspflege? Konsequenzen einer Aufweichung des Subsidiaritätsprinzips für die Entscheidungssituation in den Wohlfahrtsverbänden (104-110); Olaf Karitzki: Transparenz als Basis für Effizienz und Legitimität von Nichtregierungs-Organisationen (110-115). Arbeitskreis 2: Schwerpunkt Soziologie: Alte und neue Netzwerke: Dominik H. Enste: Schattenwirtschaft und institutioneller Wandel - informelle Regeln als Ausgangspunkt für institutionelle Reformen (118-126); Eckart Gottschalk: Das Internationale Privatrecht im Zeitalter der Globalisierung (126-132); Martin Nonhoff: Partizipation, Verantwortung und Pluralismus. Ziele und Praxis einer Bildung für die Zivilgesellschaft (132-139); Peter Graeff: Der Beitrag ehrenamtlicher Arbeit zum Aufbau bürgerstaatlicher Strukturen (139-149). Arbeitskreis 3: Schwerpunkt Geschichte: Zwischen Nationalkultur und Zivilreligion - Gefühle in der Politik: Britta Kanacher: Staat und Kirche vor der multikulturellen Herausforderung - am Beispiel der Forderung muslimischer Migranten nach islamischem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen in der Bundesrepublik (152-159); Matthias Steinbach: Gefühle im historischen Konflikt. Zum Umgang mit der Novemberrevolution im Schulbuch (159-169); Robert Grünbaum: Die deutschen Intellektuellen und die Nation. Einstellungsmuster zur deutschen Einheit in Vergangenheit und Gegenwart (170-176); Karl Borromäus Murr: Nation, Emotion und Geschichte - Zur Konstruktion eines bayerischen Nationalgefühls unter König Ludwig I. (1825-1848) (176-183). Arbeitskreis 4: Schwerpunkt Pädagogik: Bürgergesellschaft als Herausforderung an Bildung und Erziehung: Barbara Rößer: Voraussetzungen einer Reorganisation der Gesellschaft - Reflexion und Praxis aus pädagogischer Sicht (186-194); Christine Freitag: Schule als Gegenstand interkultureller Vermittlung: Der Stellenwert von Kultur und Tradition im Globalisierungsprozeß (194-200); Ingeborg Schüssler: Zu Notwendigkeiten und Voraussetzungen nachhaltigen Lernens in der Erwachsenenbildung - Thesen zum notwendigen Wandel von Lernkulturen (200-208); Ludger Wößmann: Die sinkende Produktivität der staatlichen Schulen - Evidenz, Erklärungsansätze und Reformoptionen (208-219). III. Kultur als staatliche Veranstaltung oder als gesellschaftlicher Wettbewerb? Christoph Stölzl: Kultur als staatliche Veranstaltung oder als gesellschaftlicher Wettbewerb? - Kunst und Kulturpraxis (238-244); Michael Zöller: Kultur als staatliche Veranstaltung oder als gesellschaftlicher Wettbewerb? - Wissenschaft/Hochschulen (245-249).
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Michael Zöller: Vom Betreuungsstaat zur Bürgergesellschaft. Köln: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15526-vom-betreuungsstaat-zur-buergergesellschaft_17695, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17695
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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