/ 12.06.2013
Margot Kässmann
Vergesst die Gastfreundschaft nicht!
Berlin: Ullstein 2011 (Ullstein Streitschrift); 47 S.; kart., 3,99 €; ISBN 978-3-550-08001-2Die Integrationsdebatten in Deutschland werden seit einigen Jahren sehr emotional geführt. Käßmann beklagt in diesem Essay, dass die derzeitige Diskussion zu häufig ein negatives Bild der aktuellen Situation der Integration von Migranten annehme, statt die vielen Erfolge zu betonen, auf die Deutschland stolz sein könne. Dabei will sie jedoch nicht die vorhandenen Probleme klein reden, viel eher geht es ihr um ein Konzept, mit dem sich das Miteinander konstruktiv gestalten lässt. Keine Lösungen stellen dabei für Käßmann die Vorschläge von Thilo Sarrazin oder die Forderung nach einer deutschen Leitkultur dar. Ausgehend von der Anerkennung der Tatsache, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, setzt sie dem vorherrschenden negativen Bild das positive der Gastfreundschaft entgegen. Dieses sei „ein schönes Bild für die Begegnung, das Miteinander Verschiedener, ja Fremder, weil sie ein Beziehungsgeschehen ist, bei dem von Gastgebern wie Fremden respektvoller Umgang miteinander erwartet wird“ (11). Das Ziel dabei sei es, „die eigenen Wertvorstellungen in einen Dialog mit anderen Wertvorstellungen zu bringen und zu fragen: Was ist unsere gemeinsame Grundlage des Zusammenlebens? Wie wollen wir miteinander diese Gesellschaft frei, offen, lebenswert für alle gestalten?“ (36) Die Grundlage hierfür sieht sie in den Menschenrechten gegeben; auch Zugewanderten sollte es möglich sein, diese einzufordern. Diese Personengruppe müsste wiederum deutsches Recht akzeptieren, also die Verfassung und das Grundgesetz anerkennen, was ausschließe, dass parallele Rechtsinstanzen existieren dürften. Durchgehend betont sie die Bedeutung der Bildung als Schlüssel zur Integration, weshalb sie auch Maßnahmen zur Erhöhung der Sprachkompetenz von Zugewanderten befürwortet. Zudem fordert sie die Religionen dazu auf, dazu beizutragen, den Dialog zu fördern und Konflikte zu überwinden. Letztlich gehe es „um eine klare Haltung zur eigenen Kultur, Geschichte, Tradition und Religion, die offene Begegnung mit anderen möglich macht, das Verschiedene wertzuschätzen weiß, aber gleichzeitig auch den Grundkonsens des Rechts, der Sprache und der geschichtlichen Wurzeln einfordert“ (41). Hier die richtige Balance zu finden, sei am Ende dafür ausschlaggebend, ob Integration gelinge. Käßmanns Aussagen sind nicht neu, aber dennoch lesenswert, da Einseitigkeiten weitgehend vermieden werden und so ein ausgewogener Vorschlag, wie man mit Vielfalt in Deutschland konstruktiv umgehen kann, entsteht.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Margot Kässmann: Vergesst die Gastfreundschaft nicht! Berlin: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14505-vergesst-die-gastfreundschaft-nicht_41511, veröffentlicht am 10.01.2013.
Buch-Nr.: 41511
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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