/ 04.06.2013
Gerhard Schröder
Und weil wir unser Land verbessern .. 26 Briefe für ein modernes Deutschland
Hamburg: Hoffmann und Campe 1998; 220 S.; geb., 29,80 DM; ISBN 3-455-11244-7In persönlich gehaltenen, auch unkonventionellen Briefen nimmt der designierte Bundeskanzler zu Fragen der Zukunft Stellung. Die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik bildet einen Schwerpunkt. Eine Lösung der derzeitigen Probleme könne nur in einem Dialog zwischen Politik, Arbeitnehmern, Arbeitgebern, Arbeitslosen, Sozialverbänden und den für Bildung und Innovation zuständigen Institutionen bestehen; erforderlich seien Transparenz und Offenheit (37 f.). Im Blick auf die Bundestagswahl 1998 faßt Schröder die Richtschnur einer modernen sozialdemokratischen Regierungspolitik in fünf Prinzipien zusammen: "Aktivierung der Menschen zu selbstverantwortlichem Handeln; Realitätssinn und Bürgernähe; Transparenz und Überprüfbarkeit; gerechter, innovativer Umbau des Sozialstaats zu einem neuen 'Modell Deutschland'; Konsens und Kooperation mit allen an dieser Erneuerung interessierten gesellschaftlichen Kräften." (30)
Aus dem Inhalt: "Macht gibt es nicht. Nur Mißbrauch der Macht". Statt eines Vorworts. An Sebastian Schulz, Erstwähler aus Magdeburg. Arbeit: "Wenn es nach der Kreditpraxis der deutschen Banken ginge, würde in Silicon Valley heute noch mit dem Rechenschieber gearbeitet". An Pfarrer Rainer Theuerkauff, Arbeitslosen-Selbsthilfeinitiative in Bad Zwischenahn; "Man kann den Kuchen nun mal nicht behalten und gleichzeitig aufessen". An Dieter Hundt, Arbeitgeberpräsident; "Arbeitslosigkeit ist nicht Folge der Globalisierung, sondern Ergebnis falschen Bewußtseins, falscher Regulierungen und fehlenden Wissens". An Ulrich Pfeiffer, Sprecher des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung; "Die bloße Verlängerung der Vergangenheit in die Zukunft macht noch keine Zukunft". An Jörg Menno Harms, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutschland bei Hewlett-Packard; "Man kann vielleicht eine Wirtschaft 'kreativ zerstören' - aber doch keine Menschen". An Ulrich Beck, Professor für Soziologie. [...] Außenpolitik: "Ich habe es nie als Gnade empfunden, spät, also in den letzten Monaten des Krieges, geboren zu sein". An Shimon Peres, ehemaliger israelischer Ministerpräsident. [...] Charakter: "Wer nur auf Schlagworte reagiert wie ein Pawlowscher Hund, wird sich in die Begriffe verbeißen". An Joschka Fischer, Fraktionssprecher von Bündnis 90/Die Grünen. [...] Extremismus: "Die Geschichte ist kein Steinbruch, aus dem man sich die schönsten Brocken herausklauben kann". An Steffen Schneider, DVU-Wähler aus Sachsen-Anhalt. Jugend: "Chancengleichheit darf ja nicht Gleichmacherei bedeuten oder Gleichheit in der Chancenlosigkeit". An Wolfgang Frühwald, ehemaliger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Kunst und Kultur: "Man darf die Kultur nicht zum bloßen 'Wirtschaftsfaktor' degradieren. An Günter Grass, Schriftsteller. [...] Medien: "Schon John F. Kennedy wurde vorgeworfen, er habe die Wahl 1960 vor allem wegen des Fernsehens gewonnen". An Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der "Süddeutschen Zeitung". Ökologie: "Was die Umwelt schädigt, darf nicht auch noch billig sein". An Hans-Christoph Binswanger, Professor für Ökologische Ökonomie; [...] "Ein Atomausstieg ohne einen Energiekonsens wäre nicht besonders zukunftstauglich". An die Jugendumweltinitiative JANUN; "Wieviel Automation verträgt das Automobil?". An das Mobilitätsprojekt ADAM. Ost und West: "Freiheit läßt sich nicht nur als 'Freiheit von Not' buchstabieren, sondern es muß auch eine 'Freiheit zur Teilhabe' sein". An Martina Groß, arbeitslose Akademikerin aus Thüringen; [...] "Wer die PDS mit rechtsextremen Brandstiftern und Totschlägerbanden gleichsetzt, erweist der Demokratie einen Bärendienst". An Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident. Renten: "Sage also niemand, die Gesellschaft könne sich ihre älteren Menschen nicht mehr leisten - was sie sich nicht leisten kann, ist Arbeitslosigkeit". An Antje Behrens, Berufsanfängerin aus Hannover. Staat: "Der Staat sollte ein Dienstleistungsbetrieb sein, in dem der Bürger Kunde ist und nicht Gewaltunterworfener". An Herbert Mai, Vorsitzender der Gewerkschaft ÖTV.
Eberhard Schuett-Wetschky (SW)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel (www.politik.uni-kiel.de/prof_schuettwetschky.php).
Rubrizierung: 2.3 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Eberhard Schuett-Wetschky, Rezension zu: Gerhard Schröder: Und weil wir unser Land verbessern .. Hamburg: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/5494-und-weil-wir-unser-land-verbessern-_7181, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 7181
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel (www.politik.uni-kiel.de/prof_schuettwetschky.php).
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