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/ 05.12.2013
Christian Boeser / Karin B. Schnebel

Über "dumme Bürger" und "feige Politiker" Streitschrift für mehr Niveau in politischen Alltagsgesprächen

Wiesbaden: Springer VS 2013; 112 S.; 19,99 €; ISBN 978-3-658-02322-5
Christian Boeser und Karin B. Schnebel beschäftigen sich in ihrer Streitschrift mit dem „alltäglichen politischen Gespräch“ und wehren sich gegen die „Faulheit im Denken“ (22). Denn für das Autorenduo steht fest, dass das alltägliche politische Gespräch den politischen Diskurs entscheidend prägt und damit Auswirkungen auf die Politik an sich hat. Boeser und Schnebel skizzieren daher in vier Abschnitten die Wechselwirkungen in der Auseinandersetzung zwischen Bürgern und Politikern: Während im ersten Teil der Blick der Bürger auf die Politiker durch drei Aspekte (verallgemeinernde pauschale Aussagen, sich widersprechende Idealvorstellungen sowie Unkenntnis) beschrieben wird, die den Stammtischparolen eigen sind, zeigt der zweite Teil die Perspektive der Politiker auf die Bürger. Charakteristisch sei dabei in beiden Fällen unter anderem, dass beim Reden über Politik das Niveau oft Nebensache sei. Die Autoren sprechen den Bürgern ein hohes Maß an Gestaltungsraum zu, daher sollte ihre Beteiligung am politischen Geschehen stärker eingefordert werden. Im Weiteren werden die Ursachen für die Politikverdrossenheit nicht nur in der Wechselwirkung der Bürger mit den Politikern gesehen, sondern auch teilweise in der politischen Bildung an den Schulen: „Schlechte politische Bildung in Schulen führt zu späterer Politikverdrossenheit“ (73), da das entsprechende Verständnis und Interesse nicht geweckt werde. In weiten Teilen liest sich die Streitschrift wie eine Parteinahme für die Seite der Politiker. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Boeser und Schnebel es eher vorziehen, sich für ein besseres gegenseitiges Verständnis auszusprechen als sich für eine Seite zu entscheiden. Sie fordern mehr Mut zur öffentlichen Meinungsäußerung und wehren sich gegen pauschale Stammtischparolen mit der Begründung, man müsse sich als Bürger auf die Rollenproblematik der Politiker einlassen.
Timo Freudenberger (TF)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Timo Freudenberger, Rezension zu: Christian Boeser / Karin B. Schnebel: Über "dumme Bürger" und "feige Politiker" Wiesbaden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36489-ueber-dumme-buerger-und-feige-politiker_44633, veröffentlicht am 05.12.2013. Buch-Nr.: 44633 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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