/ 23.01.2014
Stefan Rüb / Hans-Wolfgang Platzer / Torsten Müller
Transnational Company Bargaining and the Europeanization of Industrial Relations. Prospects for a Negotiated Order. Translated by Pete Burgess
Oxford u. a.: Peter Lang 2013 (Trade Unions Past, Present and Future 19); XX, 313 S.; pb., 66,30 €; ISBN 978-3-0343-0909-7Da Gewerkschaften nationale Interessenvertretungen sind, stellten Verhandlungen in grenzüberschreitend tätigen Unternehmen für sie in der Vergangenheit eine große Herausforderung dar. Auf diese ist für den europäischen Raum mit der Etablierung eines Europäischen Betriebsrats (European Works Council, EWC) geantwortet worden. Dabei handelt es sich um eine Arbeitnehmervertretung mit Konsultations‑ und Informationsrechten, die seit 1994 grenzüberschreitend wirksame Vereinbarungen zwischen EWC‑Vertretern und der jeweiligen Unternehmensleitung aushandeln kann. „This study aims to survey and analyze the scale and nature of this developing transnational terrain of bargaining relationships that, as yet, has represented something of a terra incognita both in industrial relations research and the wider field of European studies“ (1). Daher wollen die Autoren mit ihrer Studie die bisher sehr übersichtliche Forschungsliteratur zum Thema auf eine solidere empirische Grundlage stellen. Hierfür greifen sie einerseits auf Daten der Europäischen Kommission und der Gewerkschaften zurück und haben andererseits auch eine telefonische Umfrage mit Repräsentanten von nationalen Gewerkschaften, den EWCs, Arbeitgeberverbänden sowie mit Mitgliedern der Europäischen Kommission durchgeführt. So wurden genaue Informationen über die Etappen und Prozesse der Verhandlungen sowie deren legalen Rahmen zusammengetragen. Auf der Basis dieser Kenntnisse hat das Autorentrio Fallbeispiele aus den Bereichen der Metallarbeit, chemischen Industrie sowie Dienstleistungen selektiert und sie mithilfe von drei konzeptionellen Ansätzen untersucht: dem dynamischen „multi‑level‑system of industrial relations“ (28 f.), den „negotiation arenas“ innerhalb der „multi‑level‑Struktur“ (31 ff.) sowie dem von Anselm Strauss eingeführten und von den Autoren weiterentwickelten Ansatz der Verhandlungsordnung. Am Ende identifizieren Rüb, Platzer und Müller insgesamt fünf Beziehungstypen zwischen den EWCs und den Gewerkschaften: 1. Der EWC praktiziert eine „bargaining leadership” (256), in der er die dominante Position in den Verhandlungen einnimmt. 2. Der EWC praktiziert eine „negotiating leadership” (260), die im Vergleich zum ersten Fall den Gewerkschaften mehr Raum gibt. 3. Der EWC hat zwar eine „negotiating authority“ (262), allerdings kommt auch den Gewerkschaftern in den bilateralen Verhandlungen eine wichtige Rolle zu. 4. Die Gewerkschaft hat eine „negotiating authority” (264) und führt damit die Verhandlungen, über die informelle Teilnahme der EWC‑Repräsentanten kann die Gewerkschaft bestimmen. 5. Der EWC und die Gewerkschaften praktizieren eine „joint negotiating authority“ (266), in der beiden Organisationen eine gleichberechtigte Position zukommt.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.4 | 2.331 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Stefan Rüb / Hans-Wolfgang Platzer / Torsten Müller: Transnational Company Bargaining and the Europeanization of Industrial Relations. Oxford u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36635-transnational-company-bargaining-and-the-europeanization-of-industrial-relations_44238, veröffentlicht am 23.01.2014.
Buch-Nr.: 44238
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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