/ 17.06.2013
Caleb Carr
Terrorismus - Die sinnlose Gewalt. Historische Wurzeln und Möglichkeiten der Bekämpfung. Aus dem Amerikanischen von Michael Windgassen und Iris Krüger
München: Wilhelm Heyne Verlag 2002; 245 S.; 14,95 €; ISBN 3-453-21326-2Vor dem Hintergrund aktueller Ereignisse behandelt der Autor den internationalen Terrorismus als militärhistorisches, nicht etwa politikwissenschaftliches oder soziologisches Phänomen: "Terrorismus ist der heutige Name und die moderne Ausformung des vorsätzlichen Krieges gegen Zivilisten mit dem Ziel, deren Bereitschaft zur Unterstützung ihrer politischen Führung beziehungsweise der durch diese praktizierten Politik, an welcher die Agenten solcher Gewalt Anstoß nehmen, nachhaltig zu erschüttern" (9). Die Geschichte, angefangen bei den Römern, zeige indes, dass es diese Art des "destruktiven Krieges" (19) immer gegeben habe; allein, diese Taktik habe immer zur Niederlage ihrer Urheber geführt, da sie nie zu "Zerrüttung im Volk" (211) führe, sondern dieses zusammenschweiße. Das lebhaft erzählte Buch Carrs ist ein spannender Streifzug durch die Geschichte militärischer Strategien, die immer zulasten der zivilen Bevölkerung gingen. Monokausale Erklärungen, wie beispielsweise, dass "man in Europa wieder darauf zurückfiel, Zivilisten massenhaft zu töten, um auf diese Weise Einfluss zu nehmen auf das Verhalten von Königen und Fürsten" (61), sind allerdings zweifelhaft. Auch ist nicht einsichtig, weshalb große Reiche wie das Osmanische oder das Ludwigs XIV. ausschließlich wegen der Anwendung staatsterroristischer Mittel zerbrochen sein sollen (67). Neben erheblichen Schwächen der Übersetzung (auch des Originaltitels "The Lessons of Terror. A History of Warfare against Civilians"), die bestenfalls mit dem Zeitdruck zu erklären sind, unter dem sie zustande gekommen ist, sind noch weitere inhaltliche Mängel anzumerken: Weder ist das "Aufkommen des Nationalismus" im 14. Jahrhundert zu verorten (45) noch erscheint glaubwürdig, dass türkisch-mongolische Stämme eine "angeborene Neigung für nomadische Eroberungszüge" (68) gehabt hätten. Carr stellt für die jüngere Geschichte der USA fest, dass speziell die CIA überwiegend operativ agiere und ihre nachrichtendienstlichen Aufgaben nicht erfülle (zuletzt, als man vom New Yorker Anschlag überrascht wurde). Da sich terroristische Taktiken immer gegen ihre Anwender wendeten, sei es sinnvoll, "die verdeckten Operationen amerikanischer Geheimdienste, insbesondere der CIA, einzuschränken und schließlich ganz einzustellen" (214 f.).
Inhaltsübersicht: Eine Katastrophe, keine Heilkur; Dulce bellum inexpertis; Fleiß und Schläue; Verträge ohne das Schwert; Ohne Ehrbegriff; Gepredigter Hass; Gewaltanwendung bis zum Äußersten; Vom Terror fasziniert; Eine durch und durch widerwärtige Philosophie; Dem Mord die Hand reichen; Epilog: Profit oder Schutz?
Florian Peter Kühn (KÜ)
Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.25
Empfohlene Zitierweise: Florian Peter Kühn, Rezension zu: Caleb Carr: Terrorismus - Die sinnlose Gewalt. München: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16422-terrorismus---die-sinnlose-gewalt_18855, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18855
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Dr., M. P. S., wiss. Mitarbeiter, Institut für Internationale Politik, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
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