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/ 22.06.2013
Felix Krebs / Jörg Kronauer

Studentenverbindungen in Deutschland. Ein kritischer Überblick aus antifaschistischer Sicht

Münster: Unrast 2010 (unrast transparent: rechter rand); 64 S.; 7,80 €; ISBN 978-3-89771-107-5
Die Autoren geben Interessierten an Schulen und Universitäten einen informativen Überblick über die Herkunft, den Aufbau und die politischen Verflechtungen von Studentenverbindungen. Angesichts der gegenwärtigen Mitgliedszahlen – die nach Angaben von Krebs und Kronauer etwa einem Prozent der männlichen Studierenden entsprechen – scheinen sie auf den ersten Blick kein problematischer Bestandteil der studentischen und politischen Kultur zu sein. Zu den Mitgliedern einer Verbindung zählen außerdem die sogenannten Alten Herren. Diese haben ihr Studium abgeschlossen und unterstützen ihre Verbindung meist weiterhin finanziell und vermitteln berufliche Kontakte. Trotz der eher geringen Mitgliederzahlen beurteilen die Autoren die Aktivitäten der Verbindungen sehr kritisch; sie betonen jedoch, dass keineswegs alle politisch an der Grenze zum Rechtsextremismus stehen. Es fehle allerdings eine erkennbare Abgrenzung liberalerer Verbindungen von den rechtskonservativen. Insgesamt seien Traditionen und Weltbild fest im 19. Jahrhundert verwurzelt, stark prägend seien die Ideale „aus dem autoritätsfixierten Obrigkeitsstaat des Wilhelmismus“ (10). Man sei traditionell konservativ und antifeministisch eingestellt, diverse Studentenverbindungen hätten schon in den 20er-Jahren mit NS-Organisationen zusammengearbeitet, einige Verbindungen würden immer noch nicht die Grenzen Deutschlands anerkennen. In Polen sei sogar eine neue deutsche Verbindung initiiert worden. Die Autoren werfen zudem einen Blick auf die politische Betätigung der Verbindungsmitglieder; u. a. erwähnen sie Bundesverkehrsminister Ramsauer. Vor allem aber suchten Burschenschaftler immer wieder „rechts der Unionsparteien nach einer Option, die ihren politischen Vorstellungen entspricht“ (54). So komme es, dass Ramsauer, ein Journalist der Frankfurter Allgemeinen und ein weiterer des Deutschlandfunks „‚Verbandsbrüder’“ des Parteichefs der REP, zweier NPD-Landtagsabgeordneter aus Sachsen und „verurteilte[r] Südtirol-Terroristen“ (55) seien. Aus Sicht der Autoren handelt es sich dabei ganz offensichtlich um eine inakzeptable Verwischung politischer Grenzen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.37 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Felix Krebs / Jörg Kronauer: Studentenverbindungen in Deutschland. Münster: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32165-studentenverbindungen-in-deutschland_38364, veröffentlicht am 02.02.2011. Buch-Nr.: 38364 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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