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/ 03.06.2013
Michael Stolleis

Staatsrechtslehre und Politik

Heidelberg: C. F. Müller Verlag 1996 (Heidelberger Universitätsreden 12); 29 S.; 20,- DM; ISBN 3-8814-8896-1
Die Staatsrechtslehre als das politische Fach unter den juristischen Disziplinen benötigt nach Stolleis einerseits eine Distanz zur Politik. Andererseits sei ein bedingungsloses Festhalten am positiven Recht, blind gegenüber Politik, Geschichte und allgemeinem Werthorizont, heute nicht vertretbar (19). In der Realität bestehe ein methodisch unklares, wenn auch praktisches muddling through zwischen Festhalten am Wortlaut des positiven Rechts und dessen "Überwindung" durch Wertordnungen, Sinngehalte und Staatsziele. Einen Ausweg für die Staatsrechtslehre biete das Begreifen von Recht als sprachlich programmiertes System. "Was 'gilt' oder 'gelten soll', bildet sich in einem Prozeß ständiger sprachlicher Kommunikation heraus" (22). Jedes Handeln und Unterlassen sei Teil dieses Prozesses. Von diesem Ausgangspunkt der pluralistischen Demokratietheorie ergebe sich zugleich die Verantwortung des Einzelnen, auch die der Staatsrechtslehrer. Diese sollten sich von den Ideen der ewigen Gerechtigkeit oder anderen normativen Leitfäden verabschieden. Das traditionelle Gebot, daß ein Staatsrechtslehrer nicht Mitglied einer politischen Partei sein solle, sei obsolet.
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.21 Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Michael Stolleis: Staatsrechtslehre und Politik Heidelberg: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2235-staatsrechtslehre-und-politik_2718, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 2718 Rezension drucken
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