/ 04.07.2013
Gerd Roellecke
Staatsrechtliche Miniaturen. Positionen zu Fragen der Zeit. Hrsg. von Otto Deppenheuer
Tübingen: Mohr Siebeck 2013; XIV, 277 S.; brosch., 24,- €; ISBN 978-3-16-152325-0Einer „der ungewöhnlichsten, originellsten und kreativsten Köpfe der deutschen Staatsrechtslehre“ (X), Gerd Roellecke, verstarb im Jahr 2011. Einige seiner juristischen Einlassungen, die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen sind, liegen nun noch einmal als Wiederabdruck vor. Obwohl manche dieser Essays älteren Datums sind, kann man sie aufgrund ihrer immer noch bestehenden Aktualität oder wegen der scharfzüngigen, teils mehr andeutenden als ausführenden Kritik mit Gewinn lesen. Dies gilt beispielsweise für den Aufsatz „Der Bürger ist unteilbar“ von 1999. Roellecke vertritt die Meinung, dass Befürworter einer doppelten Staatsangehörigkeit übersehen, dass damit Fragen der Gleichwertigkeit, des internationalen Friedens und der Gerechtigkeit zwischen Bürgern wie auch der „Gemeinschaftlichkeitsgefühle“ (43), die eine Nation ausmachten, aufgeworfen werden. Der Klarheit wegen lehnt er daher eine doppelte Staatsangehörigkeit ab. Kurz und bündig und für die Sprache von Roellecke beispielhaft hält er auch im Jahr 2000 jedes Gerede von einer deutschen Leitkultur für verfehlt: „Wer wirklich Frieden will, sollte sich deshalb nicht auf Kultur, sondern auf eine Ordnung beziehen, die selbst nicht weiß, daß sie Kultur ist: auf das positive Recht“ (69). Viele Beiträge sind Kommentierungen von Beschlüssen des Bundesverfassungsgerichtes – „Karlsruhe hat gesprochen“ (V). So kritisierte Roellecke etwa 2001 das Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Abtreibung, nach dem sich sowohl das Ungeborene als auch die Schwangere auf die Menschenwürde berufen könnten, denn wenn die Menschenwürde „jedem Menschen um seiner selbst willen und ohne Rücksicht auf sein Handeln zusteht, dann erlaubt sie keine Unterscheidungen zwischen Menschen, dann wird alles menschenwürdig, was Menschen tun, auch eine Abtreibung“ (93). Roelleckes häufig streitbare Ansichten, zu deren fundierter Einschätzung ein Wissen in der Sache und um den Kontext gegeben sein muss, lassen die Lektüre mitunter sehr anspruchsvoll werden.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.323 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Gerd Roellecke: Staatsrechtliche Miniaturen. Tübingen: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35907-staatsrechtliche-miniaturen_43552, veröffentlicht am 04.07.2013.
Buch-Nr.: 43552
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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