/ 22.06.2013
Kai Biermann / Martin Haase
Sprachlügen. Unworte und Neusprech von 'Atomruine' bis 'zeitnah'
Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch Verlag 2013; 232 S.; 9,99 €; ISBN 978-3-596-19497-1„Neusprech betrifft nicht nur den Wortschatz, die Grammatik der politischen Sprache zeigt ebenso Auffälligkeiten“, meinen Kai Biermann, Ressortleiter von Zeit Online, und Martin Haase, Linguistik‑Professor in Bamberg. „Die wahren Künstler des Politikersprechs jedoch brauchen keine Neuschöpfungen und Umdeutungen […], sie nutzen ganz normale Wörter und bauen sie so geschickt zusammen, dass der Zuhörer gar nicht merkt, wie er verschaukelt wird.“ (207) Das Buch ist in zwei Teile gegliedert: Im umfangreicheren ersten Abschnitt erklären sie die tatsächliche Bedeutung der meisten Worthülsen. Da wird die Müllverbrennung zur „thermischen Abfallbehandlung“ (7), gnadenlose Ausbeutung zur „Kreativwirtschaft“ (108) und die Abwrack‑ zur „Umweltprämie“ (187). Im zweiten Teil des Werkes sezieren die Autoren mit chirurgischer Präzision die verbalen Besonderheiten aktueller Statements bekannter Politiker. Vom „Merkel‑Wir“ über die bejahende Verneinung bis hin zu schiefen Metaphern, Biermann und Haase bleibt nichts verborgen. Sie versuchen, durch Überspitzung und einen aggressiv‑schonungslosen Schreibstil die Mängel der politischen Rhetorik aufzuzeigen. Dies geschieht leider oft zulasten einer objektiven Darstellung und politischen Neutralität. Insgesamt verfassen die beiden Autoren also ein ansprechendes Werk, das lediglich durch seine streckenweise sehr polemischen Formulierungen und verkürzenden Darstellungen selbst an Qualität einbüßt.
Vincent Wolff (VW)
Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.333 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Vincent Wolff, Rezension zu: Kai Biermann / Martin Haase: Sprachlügen. Frankfurt a. M.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35798-sprachluegen_43460, veröffentlicht am 28.02.2013.
Buch-Nr.: 43460
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Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
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