/ 22.06.2013
Daniel Kirch
Sonderpolitikzone Saarland. Die Entwicklung des Parteiensystems von 1985 bis 2009
Marburg: Tectum Verlag 2012; 426 S.; pb., 29,90 €; ISBN 978-3-8288-2906-0Diss. Trier; Begutachtung: A. Misch. – Die Bildung der bundesweit ersten Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Herbst 2009 hat in der Bundesrepublik nicht nur großes Interesse an der saarländischen Landespolitik hervorgerufen, sie stellt auch den vorläufigen Endpunkt einer „parteiensystemgeschichtlichen Sonderentwicklung“ (16) des Saarlandes dar. Dort gebe es eine Tradition parteipolitischer Besonderheiten, weshalb Daniel Kirch gar von einer „Sonderpolitikzone“ spricht – dies nicht zuletzt aufgrund der (im Vergleich zu anderen Bundesländern) ungewöhnlichen Stärke der Linkspartei. Die zentrale Leitfrage des Autors – er ist als Politikredakteur für die Saarbrücker Zeitung tätig – lautet: „Welche Elemente von Kontinuität und Wandel lassen sich zwischen 1985 und 2009 für die Entwicklung des saarländischen Parteiensystems identifizieren?“ (19) Zur Beantwortung holt Kirch weit aus, indem er die Geschichte des saarländischen Parteiensystems bereits ab dem 19. Jahrhundert bis zum eigentlichen Untersuchungszeitraum skizziert. Dieses habe lange Zeit eine „schwach ausgeprägte Fragmentierung“ (347) aufgewiesen – SPD und CDU erhielten immer insgesamt zwischen 84 und 90 Prozent der Stimmen, absolute Mehrheiten entsprachen dem Normalfall. Die Gründe hierfür sieht Kirch nicht nur in der Bundespolitik, sondern vor allem in einem stabilen konfessionell (primär katholisch) geprägten Milieu und damit in der soziokulturellen Struktur des Bundeslandes. Doch mit dem „fortschreitenden Zerfall der sozialmoralischen Milieus, dem Mitgliederrückgang bei CDU und SPD“ (347) sei es nach der Jahrtausendwende zu einem deutlichen Anstieg der parteipolitischen Fragmentierung gekommen. Mittlerweile habe sich ein „gesunde[r] demokratische[r] Wettbewerb“ (344) zwischen CDU, SPD, FDP und den Grünen entwickelt, sodass lagerübergreifende Koalitionen möglich geworden seien. Zusätzlich habe die eher bürgerliche Ausrichtung der Grünen im Saarland die Bildung der Jamaika-Koalition erleichert. Dennoch, Grüne und FDP seien im Saarland nicht so stark wie in anderen Bundesländern, umso stärker sei jedoch die Linkspartei: „Die eigentliche programmatische, personelle und kulturelle Trennlinie verläuft zwischen der LINKEN als einziger Flügelpartei des saarländischen Parteiensystems und den bürgerlichen Parteien CDU und FDP.“ (344)
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331 | 2.325 | 2.332
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Daniel Kirch: Sonderpolitikzone Saarland. Marburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35201-sonderpolitikzone-saarland_42384, veröffentlicht am 15.11.2012.
Buch-Nr.: 42384
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