/ 05.06.2014
Thomas Brändle
Selection of Public Servants into Politics. An Economic Analysis of Its Causes and Consequences
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Neue Studien zur Politischen Ökonomie 12); 166 S.; 36,- €; ISBN 978-3-8487-0307-4Diss. Basel; Begutachtung: A. Stutzer, S. Frey. – Gute Regierungsführung und gute Politik sind immer auch das Ergebnis guter Politiker. So lässt sich die Ausgangsannahme des Ökonomen Thomas Brändle zusammenfassen. Er fragt deshalb, ob und wie die Wahl bestimmter politischer Verantwortungsträger deren Arbeitsergebnisse beeinflusst. Konkret geht es ihm um die Rolle von Abgeordneten, die vor und nach der Aufnahme ihres Mandats im öffentlichen Dienst tätig waren. Beeinflusst ihre Zugehörigkeit zur Exekutive die Wahrnehmung der parlamentarischen Kontrollfunktionen? Lassen sich hierdurch Phänomene wie Korruption und das Wachstum des öffentlichen Sektors erklären? Brändle versucht diese Fragen auf der Grundlage eines neu erstellten Datensatzes am Beispiel der deutschen Länderparlamente zu klären. Diese eignen sich seiner Ansicht nach aus mehreren Gründen als Untersuchungsgegenstand: Nicht nur finden sich hier häufig öffentlich Bedienstete als Parlamentarier; im deutschen Föderalismus verfügen sie zudem als Landesparlamentarier unter anderem in den Bereichen Bildung, Polizeiwesen und öffentlicher Verwaltung über weitreichende Zuständigkeiten und zahlreiche Aufsichtspflichten. Brändle geht von der Schwäche bekannter Prinzipal‑Agent‑Analysen aus, die weder die Selektion noch die Identität von Parlamentariern (Agenten) berücksichtigen, wenn es darum geht, zu erklären, ob diese im Sinne ihrer Prinzipale (den Wählern) gute Politik machen. Unter anderem relevant für die Qualität der politischen Amtsträger sind nach Brändles Modell deren beruflicher Hintergrund und die damit möglicherweise verbundenen persönlichen wirtschaftlichen Interessen, die mit ihrem Mandat und der Erwartung guter Politikergebnisse in Konflikt stehen könnten. Die Ergebnisse seiner statistischen Untersuchung sind gemischt und bestätigen die Befürchtungen, die in den Hypothesen anklingen, nicht. Zwar werden Pensionen und die Möglichkeiten der Rückkehr in den öffentlichen Dienst als Faktoren herangezogen, um die hohe Zahl der Mitglieder dieser Berufsgruppe unter den Landesparlamentariern zu erklären. Nachgewiesen wird aber zugleich der Einfluss von restriktiven Regelungen zur Unvereinbarkeit von Amt und Mandat auf die Selektion von öffentlichen Bediensteten als Abgeordnete. In der Analyse der Zahl parlamentarischer Anfragen findet Brändle außerdem keine Bestätigung der Hypothese, dass die Wahrnehmung der parlamentarischen Kontrollfunktion durch Abgeordnete mit beruflichem Hintergrund im öffentlichen Dienst auffällig ist. Auch für das langfristige Wachstum des öffentlichen Sektors lassen sich keine eindeutigen Zusammenhänge ermitteln.
Christian Patz (CPA)
M.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Rubrizierung: 2.21 | 2.32 | 2.322 | 2.321 Empfohlene Zitierweise: Christian Patz, Rezension zu: Thomas Brändle: Selection of Public Servants into Politics. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37146-selection-of-public-servants-into-politics_44452, veröffentlicht am 05.06.2014. Buch-Nr.: 44452 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenM.A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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