/ 18.06.2013
Otto Depenheuer
Selbstdarstellung der Politik. Studien zum Öffentlichkeitsanspruch der Demokratie
Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2002 (Rechts- und Staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft N. F. 103); 115 S.; kart., 14,80 €; ISBN 3-506-73405-9Depenheuer untersucht in drei Studien das Verhältnis von politischen Entscheidungsfindungsprozessen und der öffentlichen Darstellung von Politik in repräsentativen Demokratien. Dabei fragt er, welchen Öffentlichkeitsanspruch die repräsentative Demokratie überhaupt für sich beanspruchen kann und darf. Indem der Autor die Notwendigkeit von geschützten Sphären der Vertraulichkeit als Erfordernis für die Funktionstüchtigkeit einer repräsentativen Demokratie nachzuweisen sucht, setzt er sich exemplarisch mit der Kritik an der mangelnden öffentlichen Transparenz politischer Aushandlungsprozesse auseinander. Überzeugend wirkt in diesem Zusammenhang auch der nachdrückliche Hinweis auf das Dilemma des politischen Aktivbürgers, der die an der eigenen Person erfahrbare Rollendifferenzierung zum einen als Privatperson mit Privatmeinung und zum anderen als Amtsträger mit dem Auftrag die Interessen einer bestimmten Personengruppe zu vertreten, meistern muss. In einer weiteren Studie widmet sich der Autor der oft gescholtenen „schweigenden Mehrheit". Auf dem Wege der Begriffsanalyse gelingt es Depenheuer nicht nur die Zulässigkeit und den verfassungsrechtlichen Schutz des Schweigens in der deutschen Demokratie zu rechtfertigen, sondern eine politische Strategie des politischen Passivbürgers offen zu legen, was letztendlich dazu führt, den Tadel in ein Lob der „schweigenden Mehrheit" umzumünzen. Die Studien sollen laut Depenheuer als Bausteine zur Formulierung „einer realitätsgerechten Demokratietheorie" (18) verstanden werden.
Inhaltsübersicht: Zur Logik der öffentlichen Diskussion. Die freiheitliche Demokratie zwischen Öffentlichkeit und Vertraulichkeit; Lob auf die schweigende Mehrheit. Verfassungstheoretische Überlegungen zu einem demoskopischen Begriff; Öffentlichkeitsarbeit von Parlamentsfraktionen. Legitimation und Grenzen amtlicher Selbstdarstellung.
Sandra Hartmann (SHA)
1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.41 | 2.333
Empfohlene Zitierweise: Sandra Hartmann, Rezension zu: Otto Depenheuer: Selbstdarstellung der Politik. Paderborn u. a.: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17906-selbstdarstellung-der-politik_20663, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20663
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1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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