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/ 22.06.2013
Oliver Bidlo / Carina Jasmin Englert / Jo Reichertz (Hrsg.)

Securitainment. Die Medien als Akteure der Inneren Sicherheit

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 266 S.; 29,95 €; ISBN 978-3-531-17601-7
Können Medien im Diskurs um die innere Sicherheit als eigenständige Akteure betrachtet werden? Gewiss werden Medien als politische Akteure wahrgenommen, die Nachrichten übermitteln, als sogenannte Vierte Gewalt im Staat Politik kritisch beurteilen, bestimmte Interessengruppen vertreten, Deutungsrahmen vorgeben und Diskurse initiieren. Doch spätestens seit den 90er-Jahren hat der Mediensektor – unter dem Einfluss neuer Konkurrenzbedingungen – enorme Veränderungen erfahren, die sich auf das Handeln privater wie öffentlich-rechtlicher Medien auswirken: „[N]icht mehr die Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit ist das Ziel, sondern die Umwerbung des Kunden“ (28). So sind neue Märkte und Formate entstanden, die die Herausgeber für den Bereich der inneren Sicherheit unter dem Begriff des Securitainment zusammenfassen. Dazu zählen TV-Eigenproduktionen und Serien wie Gerichtsshows, Polizeisoaps, Reportagen über den Polizeialltag oder Formate, in denen die Arbeit der Polizei aktiv unterstützt wird sowie dokumentarische Sendungen und Politmagazine wie Monitor und Panorama. Inwieweit Medien über solche Formate „on air“ aktiv werden und darüber hinaus auch „off air“, etwa in öffentlichen Diskussionsveranstaltungen oder durch die Zusammenarbeit mit kommunalen Sicherheitsinitiativen, die Politik der inneren Sicherheit mitgestalten, wird in diesem Band empirisch und vornehmlich aus soziologischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive untersucht. Als gemeinsame Grundlage der Beiträge dient eine Akteursperspektive, die sich auf den Bereich medialen Agierens konzentriert, „der nicht auf die Kognition des Nutzers zielt, sondern auf dessen Tat, also darauf, Aktionen innerhalb der Gesellschaft und Aktionen von anderen anzustoßen“ (29). Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Medien durch die „Entertainisierung des Themenfeldes der Inneren Sicherheit“ zu einem wesentlichen Akteur geworden sind, der das Politikfeld „verändert und neu kreiert“ (258). Sie seien nicht mehr die Vierte Gewalt, schreiben die Herausgeber, sondern haben sich zu „Community’s Watchdogs“ entwickelt. Für sie erweist sich das selbsterklärte Ziel von der Gemeinwohlorientierung und der Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit als Mythos.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3332.22 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Oliver Bidlo / Carina Jasmin Englert / Jo Reichertz (Hrsg.): Securitainment. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33673-securitainment_40330, veröffentlicht am 20.10.2011. Buch-Nr.: 40330 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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