/ 22.06.2013
Stefan Kadelbach / Klaus Günther (Hrsg.)
Recht ohne Staat? Zur Normativität nichtstaatlicher Rechtsetzung
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2011 (Normative Orders 4); 231 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-593-39527-2Der Sammelband aus dem Kontext des Frankfurter Exzellenzclusters zur „Herausbildung normativer Ordnungen“ ist der Frage gewidmet, welche Konsequenzen aus einem weltpolitisch beobachtbaren Rechtsetzungspluralismus erwachsen: „Kann es Recht ohne Staat geben?“ (9) Diese Frage erweist sich als gegenwartsdiagnostisch hochbrisant, denn gegenwärtig setzen eben nicht ausschließlich Staaten Recht, wie das die klassische Vorstellung des nach innen wie außen souveränen Nationalstaates à la Bodin nahe legt, sondern auch Nichtregierungsorganisationen oder supra- und internationale Organisationen. Zusätzlich zur Frage nach den Erscheinungsformen von Rechtsetzung jenseits staatlicher Institutionen in „polyzentrischen Normwelten“ (41) stellt sich damit in zentraler Weise auch die Frage nach der Wertigkeit sowie der qualitativen Einordnung dieser nichtstaatlichen Normsetzungsverfahren. Neben dem einleitenden Beitrag der Herausgeber, in dem diese einen präzisen Überblick über die verschiedenen, aktuell beobachtbaren Phänomene einer Entkopplung von Staat und Recht geben, wie sie sich etwa im Bereich des Internets oder bei der Abwicklung globaler Handlungsströme beobachten lässt, sticht besonders der Beitrag von Gunther Teubner hervor. Aus systemtheoretischer Perspektive analysiert er die Selbstdestruktivität einer Banken- und Finanzwelt, die sich zunehmend von politischen Rechtsetzungsmechanismen entkoppelt. Das durch diese Entkopplung ermöglichte Suchtverhalten der Banken habe eine Kriseneskalation losgetreten, die ihrerseits den Staat mit in den Abgrund zu reißen drohe, wenn dieser sich nicht seiner genuinen Rechtsetzungskompetenzen besinne und die Aufgaben der Banken klar begrenze. Nicht weniger Staat, wie das die neoliberale Chicago School à la Milton Friedman nicht müde wird zu betonen, ist die Lösung, sondern mehr Staat und mit ihm auch mehr Politik.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Stefan Kadelbach / Klaus Günther (Hrsg.): Recht ohne Staat? Frankfurt a. M./New York: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34478-recht-ohne-staat_41411, veröffentlicht am 22.12.2011.
Buch-Nr.: 41411
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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