/ 22.06.2013
Ulrike Röttger / Sarah Zielmann (Hrsg.)
PR-Beratung in der Politik. Rollen und Interaktionsstrukturen aus Sicht von Beratern und Klienten
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012; 172 S.; 24,95 €; ISBN 978-3-531-17723-6Die „Beraterexplosion“ (7), die wir etwa seit Beginn des 21. Jahrhunderts erleben, bezieht sich nicht nur auf die Bereiche der Wirtschaft. Auch politische Akteure und Institutionen greifen zunehmend auf externe Beratungsleistungen zurück. Im politischen Umfeld sind vor allem PR-Berater zu finden. Doch interagieren diese mit den politischen Akteuren? Wie werden sie vom politischen Umfeld wahrgenommen? Welche Rolle externe PR-Berater in der politischen Kommunikation auf Bundesebene spielen, wird in diesem Sammelband gezeigt. Beleuchtet werden sowohl die Gründe, weshalb externe PR-Berater in Anspruch genommen werden, als auch die Art und Weise der Einflussnahme. Beide Seiten haben unterschiedliche Erwartungen aneinander und differierende Rollenverständnisse. Daraus lassen sich Konfliktpotenziale ableiten, die wiederum ein spezielles Werte- und Normensystem notwendig erscheinen lassen. Im Ergebnis zeigt sich, dass das Feld der potenziell infrage kommenden PR-Agenturen auf circa 36 beschränkt ist. Diese Beschränkung auf eine überschaubare Zahl an Akteuren ist unter anderem darin begründet, dass die politischen Auftraggeber vergleichsweise wenig finanzielle Ressourcen zur Verfügung haben. Die externen PR-Agenturen werden vor allem dann herangezogen, wenn personelle Engpässe in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit politischer Organisationen ausgeglichen werden müssen. Aber auch wenn spezielles Know-how, beispielsweise in Wahlkämpfen, nötig ist, greifen politische Akteure auf externe Berater zurück. Zusammenfassend lässt sich konstatieren, dass die Einflussnahme von externen PR-Beratern in der deutschen Bundespolitik als gering zu bewerten ist, vor allem im Vergleich zur US-amerikanischen Politik. Darüber hinaus zeigt sich die „Differenz zwischen Rat und Tat“ (145). Letztlich sind Beratungsleistungen nur Empfehlungen, die politischen Entscheidungen sind von Amtsträgern zu fällen. Methodisch basiert die Studie auf 30 leitfadengestützten Experteninterviews mit externen PR-Beratern und politischen Akteuren auf Bundesebene. So wurden Mitarbeiter einzelner Bundesministerien und ausgewählte Mitglieder des Bundestages aus allen im Bundestag vertretenen Parteien befragt. Neben den Interviews fand eine einwöchige Beobachtung aller Interaktionen zwischen PR-Funktionsträgern der Geschäftsstelle einer Partei und externen PR-Beratern statt. Insbesondere Politikwissenschaftler, die ihren Schwerpunkt auf Innenpolitik haben, werden von der Arbeit profitieren.
Marko Jakob (MJ)
Dr., MBA.
Rubrizierung: 2.333 | 2.331 | 2.322 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Marko Jakob, Rezension zu: Ulrike Röttger / Sarah Zielmann (Hrsg.): PR-Beratung in der Politik. Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33667-pr-beratung-in-der-politik_40323, veröffentlicht am 09.02.2012.
Buch-Nr.: 40323
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Dr., MBA.
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