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/ 01.08.2013
Christopher Gohl / Hans-Peter Meister

Politische Mediation bei Infrastrukturprojekten. Das Beispiel des Ausbaus des Flughafens Frankfurt 1998-2008

Berlin: Lit 2012 (Region – Nation – Europa 70); XIV, 131 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-643-11637-6
Die Hessische Staatskanzlei hat diese Studie zur wissenschaftlichen Einordnung und Bewertung von Mediations‑ und Dialogverfahren im Zuge großer Infrastrukturprojekte in Auftrag gegeben. Am Beispiel des Ausbaus des Frankfurter Flughafens erläutern Christopher Gohl und Hans‑Peter Meister, welche Voraussetzungen, Chancen, aber auch Probleme solche Beteiligungsverfahren mit sich bringen. Unter politischer Mediation verstehen die Autoren „ein Vermittlungsverfahren zu einem öffentlichen Konflikt“ (3), das von einem neutralen Mediator angeleitet und mittels eines „fair organisierten Dialog[s]“ (4) ein Ergebnis produziert, das von allen Beteiligten getragen wird. Zu berücksichtigen sei, dass dieser Dialog von Beginn an ergebnissoffen geführt werden müsse. Zunächst vermitteln die Autoren einen Einblick in die verschiedenen Facetten politischer Mediation und gehen kursorisch auf Erfahrungen aus früheren Dialogverfahren ein. Dann schildern sie typische Merkmale von öffentlichen Konflikten sowie die idealtypischen Phasen eines Mediationsverfahrens. Sie stellen klar, dass die Erfolgsfaktoren solcher Verfahren stark von „den Umständen, der Vorgeschichte und den Einzelheiten vor Ort“ abhängen und „dass es [somit] kein Patentrezept für ein erfolgreiches Mediationsverfahren geben kann“ (33). Im Mittelpunkt der Studie steht die intensivere Betrachtung des Regionalen Dialogforums (1998 bis 2000) sowie der politischen Mediation (2000 bis 2008) beim Ausbau des Frankfurter Flughafens. Neben der Präsentation von Ergebnissen und Erfolgen werden auch die Herausforderungen des konkreten Verfahrens geschildert, darunter Probleme der Repräsentativität der Teilnehmer, der mangelnden Verständigungsbereitschaft, der Prozessleitung sowie des politischen Kontextes und des Zeitverlaufs. Am Ende des Bandes gehen Gohl und Meister auf Perspektiven der politischen Mediation ein und diskutieren die prozessuale Verschränkung etablierter Verfahren mit Mediationsverfahren sowie die Verträglichkeit von Politik und Mediation. Letztlich sehen sie in diesem Verfahren „die Königsdisziplin unter den vielen Formen organisierter Dialoge“ (118), die sich für die Bewältigung zukünftiger und nicht weniger komplexer Konfliktsituationen wie der in Frankfurt als hilfreich erweisen könne.
Christoph Mohamad-Klotzbach (CHM)
M. A., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung, Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Rubrizierung: 2.3252.331 Empfohlene Zitierweise: Christoph Mohamad-Klotzbach, Rezension zu: Christopher Gohl / Hans-Peter Meister: Politische Mediation bei Infrastrukturprojekten. Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36027-politische-mediation-bei-infrastrukturprojekten_42626, veröffentlicht am 01.08.2013. Buch-Nr.: 42626 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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