/ 23.01.2014
Christian Neusser
Pluralisierte Partnerschaften. Über den Wandel der Parteien-Gewerkschafts-Beziehungen
Berlin: edition sigma 2013 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 159); 350 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-8360-8759-9Politikwiss. Diss. Kassel; Begutachtung: W. Schroeder, R. Speth. – Der Umbau des deutschen Sozialstaats im Rahmen des vom früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder initiierten Reformprogramms Agenda 2010 bildet den Hintergrund der Studie. Ermittelt wird, wie und aus welchen Gründen sich die Beziehungen zwischen den Parteien und den im DGB zusammengeschlossenen Gewerkschaften im Untersuchungszeitraum 1998 bis 2009 verändert haben. Dabei ist der Fokus im Unterschied zu früheren Forschungen nicht auf die als „Arbeiterpartei“ traditionell besonders gewerkschaftsnahe SPD begrenzt, sondern bezieht auch die CDU, Bündnis 90/Die Grünen sowie die Linkspartei, die Neusser ebenfalls als bundespolitisch relevante Sozialstaatsparteien einstuft, in die Analyse ein. In den vier nach gleichem Muster aufgebauten Fallstudienkapiteln zu den genannten Parteien werden die strukturellen Beziehungsgrundlagen und die Interaktionsprozesse beleuchtet, überdies aber auch die historischen Entwicklungslinien der jeweiligen Partei‑Gewerkschafts‑Konstellation nachgezeichnet. Als Quintessenz der Untersuchung hält Neusser eine deutliche Ausdifferenzierung und Pluralisierung der Parteien‑Gewerkschafts‑Beziehungen im deutschen Politiksystem fest. Das aktuelle Beziehungsgeflecht werde dadurch verkompliziert, dass sich die Parteien in ihren Beziehungen zu den Gewerkschaften deutlich voneinander unterschieden. Während die vormals privilegierte Partnerschaft zwischen SPD und Gewerkschaften relativiert sei, gewönnen die gewerkschaftlichen Kontakte der anderen Parteien an Bedeutung. Dies trage mit zur Etablierung eines neuen Kooperationsmodus bei, der im Vergleich zu früher ein höheres Maß an Flexibilität aufweise und von situativen, wechselnden Interessenkoalitionen geprägt sei. Neusser empfiehlt, in weiteren Forschungen angesichts der nachlassenden organisatorischen Bindekräfte aufseiten der Gewerkschaften und der Parteien insbesondere die Rolle der Eliten gezielt in den Blick zu nehmen.
Ulrich Heisterkamp (HEI)
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
Rubrizierung: 2.331 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Christian Neusser: Pluralisierte Partnerschaften. Berlin: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36651-pluralisierte-partnerschaften_45171, veröffentlicht am 23.01.2014.
Buch-Nr.: 45171
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
CC-BY-NC-SA