/ 22.06.2013
Toralf Staud / Johannes Radke
Neue Nazis. Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts
Köln: Kiepenheuer & Witsch 2012 (KiWi Paperback 1296); 272 S.; 9,99 €; ISBN 978-3-462-04455-3Die beiden Journalisten beschreiben den Wandel im deutschen Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt stehen die Autonomen Nationalisten – äußerlich für Laien kaum mehr als Neonazis erkennbar, zählen sie zu den gewaltbereitesten Akteuren der Szene. Staud und Radke erklären, wie diese neue Form des Rechtsextremismus entstanden ist, wie Dortmund-Dorstfeld ihr Zentrum werden konnte und worin ihre Attraktivität für Jugendliche liegt. Die Autoren schildern daneben den aktuellen Zustand der NPD. Deren Biedermann-Strategie lehnen die Autonomen Nationalisten ab. Und nach Bekanntwerden der NSU-Morde verliert dieser Ansatz auch gegenüber der Öffentlichkeit vollends seine Glaubwürdigkeit. Die Mordserie des Thüringer Trios reihen Staud und Radke ein in eine Chronologie des Terrors von rechts, der die Bundesrepublik seit jeher begleitet hat. Neben diesen Erscheinungsformen des Rechtsextremismus setzen sich die Autoren mit dem Phänomen des Rechtspopulismus auseinander, für den es in Deutschland ein großes Potenzial gibt, der sich aber nie erfolgreich parteipolitisch etablieren konnte. Doch auch ohne parteipolitische Erfolge offenbart sich, wie leicht Rechtspopulisten das gesellschaftliche Klima vergiften können. Die einzelnen Abschnitte sind reportagenhaft angelegt und dadurch gut verständlich. Immer wieder zitieren Staud und Radke aber auch wissenschaftliche Positionen. Sehr gelungen sind die abschließenden Verhaltenstipps in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremen nebst Literaturhinweisen. Wer sich bislang noch nicht oder nur wenig mit Rechtsextremismus befasst hat, gewinnt auf relativ wenigen Seiten einen guten Überblick. Wer mit der Materie vertrauter ist, wird hingegen wenig Überraschendes finden. Dennoch dürfen gerade die lebensnahen Schilderungen – speziell das Interview mit einem Aussteiger – von der wissenschaftlichen Leserschaft als erkenntnisfördernde Ergänzung der Fachliteratur verstanden werden. Insbesondere der Fall Dortmund sollte ein wachrüttelndes Lehrbeispiel für andere Städte sein.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.37
Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Toralf Staud / Johannes Radke: Neue Nazis. Köln: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35523-neue-nazis_42849, veröffentlicht am 25.10.2012.
Buch-Nr.: 42849
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Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
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