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/ 22.06.2013
Claus Leggewie

Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie

Hamburg: edition Körber-Stiftung 2011; 202 S.; brosch., 14,- €; ISBN 978-3-89684-084-4
Am Beispiel der Klimapolitik diskutiert Leggewie exemplarisch postdemokratische Herausforderungen und mögliche Perspektiven für einen „neuen Gesellschaftsvertrag“ (57). Zunächst werden Konturen einer politischen Psychologie umrissen und eine „Politik der Leidenschaft“ (56) in Krisenzeiten in den Blick genommen. Wut, Neid, Angst, Apathie, aber auch Vertrauen, Empathie, Konfliktfähigkeit und Gestaltungswille werden als essenzielle, häufig unterschätzte und wissenschaftlich wenig erforschte Phänomene des Politischen dargestellt. Nicht allein rationale Erwägungen, sondern Leidenschaften bilden häufig „den Antriebsmotor des Politischen und damit auch jedes Engagements der Bürgergesellschaft“ (35). Die versammelten Essays zeigen sehr anschaulich, dass auch politikwissenschaftliche Analysen nicht frei von Empörung und Begeisterung sein müssen und selbst Teil des politischen Diskurses sind. Der Autor verbindet die leicht verständliche Zusammenfassung zentraler Ergebnisse des Wissenschaftlichen Beirates der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen mit einer leidenschaftlichen „Ermutigung“ (190), berechtigte und notwendige Empörungen in beherztes und kontinuierliches politisches Engagement zu überführen. Leggewie formuliert eine Reihe mehr oder weniger konkreter Reformschritte, wie die Ergänzung des Grundgesetzes durch das „Staatsziel Klimaschutz“ (144), ein effektives „Klima-Mainstreaming“ (149), „mehr parlamentarische Kontrolle“ (151) oder die Errichtung von „Zukunftskammern“ (159). Damit soll gleichzeitig ein Beitrag zur „Demokratisierung der Demokratie“ (152) geleistet werden. Mit dem optimistischen Manifest zum „Aufbruch in eine neue Demokratie“ (3) fordert Leggewie – wenig überraschend – mehr Teilhabe der Bürgergesellschaft sowie eine große Transformation, die „mehr konstruktive Fantasie“ (192) benötige. Leider bleibt die Diagnose der strukturellen Voraussetzungen sowie der gesellschaftlichen Machtverhältnisse, die bereits seit Jahrzehnten die Realisierung ähnlicher programmatischer Einsichten erfolgreich verhindern konnten, sehr vage. Die Beiträge gehen zum Teil auf Vorträge und bereits veröffentlichte Aufsätze zurück.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.352.331 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Claus Leggewie: Mut statt Wut. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34487-mut-statt-wut_41422, veröffentlicht am 02.02.2012. Buch-Nr.: 41422 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA