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/ 11.06.2013
Marcus Hoinle

Metaphern in der politischen Kommunikation. Eine Untersuchung der Weltbilder und Bilderwelten von CDU und SPD

Konstanz: Hartung-Gorre Verlag 1999; 229 S.; 68,- DM; ISBN 3-89649-485-6
Bisweilen vernachlässige die Politikwissenschaft die systematische Untersuchung der Metapher in der politischen Kommunikation, merkt Hoinle zu Beginn seiner Studie an. Ziel seiner Analyse ist es deshalb, anhand der vier Metapherntypen (Dimension, Bewegung, Relation und Popularisation) den politologischen Blick auf die Metaphern und deren Bedeutung für das politische Denken und Handeln in der Bundesrepublik zu fokussieren. "Ihr Ziel ist die Bewusstmachung unbewusster Metaphernrezeption und die Demaskierung persuasiv-manipulativen Redeverhaltens seitens der Politiker, indem sie die Selbst-Verständlichkeit parteispezifischer Weltbilder und Bilderwelten hinterfragt." (11) In seiner Textanalyse wählt Hoinle die Methodik der Grounded Theory, in der er in einem analytischen Teil anhand von ausgesuchten Bundestagsdebatten der 13. Legislaturperiode (1994-1998) eine Typologie politisch relevanter Metaphern erstellt. In der anschließenden empirisch-qualitativen Untersuchung filtert er die parteispezifischen Metaphern von CDU und SPD heraus und zwar exemplarisch an den Regierungserklärungen und den nachfolgenden Aussprachen in den Jahren 1949 bis 1994. Feststellen lässt sich dabei, dass die Veränderung des Metapherngebrauchs analog dem Wandel der politischen Situation verlief: "In turbulenten Zeiten, in denen man Menschen zu überzeugen und an sich zu binden sucht, intensivierte sich die Verwendung rhetorischer Mittel (z. B. 1949, nach 1969, nach 1989/90), während in ruhigen Phasen weniger und gleichförmigere Sprachbilder eingesetzt wurden (z. B. 1953, 1957); in wirtschaftlichen Krisen und politisch aufwühlenden Momenten herrschte ein aggressiver, polarisierender Ton, der sich in entsprechenden Metaphern niederschlug; christdemokratische und sozialdemokratische Weltbilder und Bilderwelten konnten daher meist klar, bisweilen aber nur mit Mühe voneinander unterschieden werden." (193) Hoinles Ergebnisse unterstreichen zwar die Bedeutung der Metapher für die politische Kommunikation, doch allein eine Inhaltsanalyse von Parlamentsprotokollen erschließt nicht vollends das politische Denken und Handeln der Parteien in einer Ära der Visualisierung (TV) und Virtualisierung (Internet) der Politik. Inhaltsübersicht: I. Theoretische Grundlagen: 1. Die kommunikative Revolution; 2. Die visuelle Revolution; 3. Die digitale Revolution; 4. Die "metaphorische Revolution". II. Typologie der politischen Metaphern: 1. Vorbemerkung; 2. Dimensionale Metaphern; Metaphern der Bewegung; 4. Metaphern der Relation; 5. Popularisierende Metaphern. III. Empirische Untersuchung: 1. Vorbemerkung; 2. Parteispezifische Metaphorik; 3. Zusammenschau; 4. Exkurs: Die Regierungserklärung Gerhard Schröders (10.11.98). IV. Schlussbetrachtungen: 1. Rückblick (Politische Metaphorik); 2. Rundblick (Schrift- und Bildkultur); 3. Ausblick (Politische Sprache und Kommunikation); 4. Weitblick (Virtuelle Cyberdemokratie).
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.3332.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Marcus Hoinle: Metaphern in der politischen Kommunikation. Konstanz: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11493-metaphern-in-der-politischen-kommunikation_13638, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 13638 Rezension drucken
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