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/ 11.06.2013
Sönke Petersen

Manager des Parlaments. Parlamentarische Geschäftsführer im Deutschen Bundestag - Status, Funktionen, Arbeitsweise

Opladen: Leske + Budrich 2000 (Forschung Politikwissenschaft 67); 284 S.; kart., 58,- DM; ISBN 3-8100-2622-0
Diss. Dresden; Gutachter: W. Ismayr. - Petersens empirische Arbeit über die parlamentarischen Geschäftsführer im Deutschen Bundestag schließt eine wesentliche Lücke in der mittlerweile sehr umfassend gewordenen Erforschung des Bundestages. Der Autor verfügt als jahrelanger Parlamentskorrespondent verschiedener Tageszeitungen über eine genaue Kenntnis des Innenlebens des Parlamentes, die seiner Untersuchung sehr zugute kommt, da sich die Tätigkeit der Parlamentarischen Geschäftsführer vielfach im informellen, nicht von Protokollen dokumentierten Bereich abspielt. Basis der Untersuchung sind fast fünfzig ausführliche, strukturierte, aber nicht standardisierte Interviews, die der Autor geführt hat. Petersen hat sowohl mit zahlreichen Amtsinhabern gesprochen als auch zur Kontrolle der von diesen geäußerten Einschätzungen mit anderen Inhabern führender Fraktionsämter, mit einfachen Abgeordneten sowie mit Parteivorsitzenden. Einleitend schildert der Autor das "Betätigungsfeld" der Parlamentarischen Geschäftsführer, den Bundestag und die Fraktionen. Der historische Rückblick macht deutlich, dass "die Einrichtung des Amts, seine quantitative Entwicklung sowie der stetig wachsende Einfluß der Parlamentarischen Geschäftsführer spiegelbildlich bedingt sind von der Entwicklung des Reichs- und später des Bundestages und ihrer Fraktionen" (62). Ein kurzer "Blick über den Zaun" nach Großbritannien und Frankreich bestätigt den Zusammenhang zwischen Bedeutung und Struktur eines Parlamentes und der Rolle Parlamentarischer Geschäftsführer. Dass die Parlamentarischen Geschäftsführer und unter diesen wiederum die sogenannten "ersten" Geschäftsführer eine besondere Stellung einnehmen, vermag Petersen anhand der Darstellung von Wahl und Bezahlung, die sie durch von der Fraktion gezahlte Zulagen deutlich über die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden heraushebt, sowie von Karrieren ehemaliger Geschäftsführer zu zeigen. Detailliert und anschaulich beschreibt der Autor das breite Tätigkeitsspektrum. Die Parlamentarischen Geschäftsführer verstehen sich fraktionsübergreifend als "Manager des Parlaments" (260). Die Runde der Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer aller Fraktionen ist "wichtigstes Instrument der informellen Steuerung des Bundestags" und hat de facto den Ältestenrat weitestgehend ersetzt. Petersen wendet sich gegen ein übliches Urteil, dass die Parlamentarischen Geschäftsführer seiner Meinung nach zu einseitig als "Einpeitscher" bezeichnet. Ihre Aufgabe ist es, "in erster Linie für Handlungsfähigkeit, Geschlossenheit und Effizienz der eigenen Fraktion und einen möglichst reibungslosen Ablauf des gesamtparlamentarischen Geschehens zu sorgen, andererseits aber doch auch den Abgeordneten, Arbeitsgruppen, Ausschüssen sowie dem Plenum Frei- und Innovationsspielräume zu erhalten." (245)
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.3212.331 Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Sönke Petersen: Manager des Parlaments. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12159-manager-des-parlaments_14512, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14512 Rezension drucken
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