/ 22.06.2013
Birger P. Priddat
Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der Sozialen Marktwirtschaft. Mitbestimmung und Kooperation
Marburg: Metropolis-Verlag 2011; 363 S.; 29,80 €; ISBN 978-3-89518-862-6Dass die Mitbestimmung nicht nur eine nachkriegsspezifische Institution war, die einerseits den Klassenkonflikt reduzieren und darauf basierend andererseits die Kräfte für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands bündeln sollte, geriet in der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion schnell in Vergessenheit. Neuere theoretische Ausrichtungen, insbesondere aus der Verhaltensökonomik und der experimentellen Ökonomie, unterstreichen erneut die andere Seite der Mitbestimmung: ihr Potenzial, die den modernen Gesellschaften eingeschriebene Kooperationstendenz und die damit verbundenen Produktivitäts- und Organisationsvorteile nutzbar zu machen. Solche theoretischen Strömungen sind allerdings in der wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion über die Mitbestimmung bislang noch nicht angekommen. Die Vorteile der Mitbestimmung werden in erster Linie in soziologischen Analysen herausgearbeitet, während die Ökonomie spätestens seit den 90er-Jahren die Institution der Sozialpartnerschaft praktisch nur noch als Kostenfaktor und Flexibilisierungshindernis betrachtet. Von daher ist es begrüßenswert, dass Priddat aus Sicht der Ökonomie eine Lanze für die Mitbestimmung bricht. In einer detaillierten Diskussion neuerer wirtschaftswissenschaftlicher Strömungen zeigt er auf, dass der Mitbestimmung in modernen Gesellschaften ein ökonomisches Potenzial innewohnt, das sich nicht allein mit orthodoxen Effizienzüberlegungen auf Grundlage des homo oeconomicus erfassen lässt. Solche neueren verhaltensökonomischen Erkenntnisse, die im Übrigen auch durch anthropologische und biologische Forschungen untermauert werden, zeichnen das Bild unserer modernen Gesellschaften als Kooperationsgesellschaften, in denen das individuelle Bedürfnis nach Konkurrenz dem nach Kooperation untergeordnet ist. Die Motivations-, Leistungs- und Produktivitätspotenziale, die sich aus einer solchen Perspektive eröffnen, sind nicht zu unterschätzen und können auch von der Mainstream-Ökonomie nicht länger ignoriert werden – Priddat liefert diesbezüglich einen nachdrücklichen Anstoß.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Birger P. Priddat: Leistungsfähigkeit der Sozialpartnerschaft in der Sozialen Marktwirtschaft. Marburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34648-leistungsfaehigkeit-der-sozialpartnerschaft-in-der-sozialen-marktwirtschaft_41635, veröffentlicht am 07.06.2012.
Buch-Nr.: 41635
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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