Skip to main content
/ 22.06.2013
Rabea Krätschmer-Hahn

Kinderlosigkeit in Deutschland. Zum Verhältnis von Fertilität und Sozialstruktur

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2012; 241 S.; brosch., 34,95 €; ISBN 978-3-531-18463-0
Soziolog. Diss. Frankfurt a. M.; Begutachtung: W. Glatzer, C. Stegbauer. – Im Jahr 2006 blieben in Deutschland 27 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen im Alter zwischen 45 und 50 Jahren endgültig kinderlos – die älteren Jahrgänge weisen einen deutlich niedrigeren Anteil Kinderloser auf. Je jünger die Geburtsjahrgänge, desto höher die Kinderlosigkeit. In Ostdeutschland ist der Anteil kinderloser Männer und Frauen und auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern geringer als im Westen. Ob und wenn ja, welche sozialstrukturellen Faktoren die Familiengründung determinieren, lautet die Hauptfrage Rabea Krätschmer-Hahns, der sie sich mithilfe weiterer Detailfragen annähert: Sie untersucht den Zusammenhang zwischen sozialer Schichtzugehörigkeit und Kinderlosigkeit sowie den Einfluss von Lebensstilen auf Kinderlosigkeit. Dabei nimmt sie nicht nur Frauen und Männer in den Blick, um geschlechtsspezifische Unterschiede auszumachen, sondern auch Paare. Im Ergebnis wird deutlich, dass die Kinderlosigkeit mit steigenden sozialstrukturellen Ressourcen steigt und die Schichtzugehörigkeit „eine maßgebliche Determinante für endgültige Kinderlosigkeit“ (206) bei westdeutschen Paaren ist. „[J]e höher die soziale Schicht des Paares, desto größer ist auch ihre Wahrscheinlichkeit, endgültig kinderlos zu bleiben.“ (214) Hingegen scheint der Lebensstil weniger Einfluss auf die Kinderlosigkeit zu haben als hinlänglich vermutet. Ein weiteres Resultat der Analyse ist, dass Frauen eine größere Bedeutung bei der Fertilitätsentscheidung haben als Männer. Sie übertragen ihre Fertilitätsmuster eher ins Paar und haben damit einen größeren Einfluss auf die Familiengründung als die Männer im Paarkontext. Kinderlosigkeit, so die Autorin abschließend, ist kein genuin individuelles Fertilitätsverhalten, sondern sie ist „sozialen Regelmäßigkeiten unterworfen“ (222), die es zu identifizieren gelte.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.352.331 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Rabea Krätschmer-Hahn: Kinderlosigkeit in Deutschland. Wiesbaden: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34684-kinderlosigkeit-in-deutschland_41689, veröffentlicht am 19.04.2012. Buch-Nr.: 41689 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA