/ 11.12.2014
Ulrike Wagner / Christa Gebel
Jugendliche und die Aneignung politischer Information in Online-Medien
Wiesbaden: Springer VS 2014 (Medien – Kultur – Kommunikation); XIV, 193 S.; 39,99 €; ISBN 978-3-658-04200-4Wie intensiv und auf welche Weise nutzen junge Menschen das Internet zur politischen Information? Welche Anforderungen stellt der von hoher Innovationsgeschwindigkeit geprägte Medienwandel an die Medienkompetenz? Die Autorinnen präsentieren hierzu Ergebnisse der DFG‑Studie „Rezeption und Produktion von Information durch Jugendliche in der konvergenten Medienwelt“. Basis ist eine Onlinebefragung in dem sozialen Netzwerk StudiVZ (1.206 Befragte zwischen 12 und 19 Jahren) sowie qualitative Onlineinterviews mit 24 Jugendlichen. Im Mittelpunkt stehen das Interesse am aktuellen Geschehen, die Selektionskriterien der Jugendlichen, ihre Bewertung unterschiedlicher Medien, als wichtig erachtete Themen sowie die eigene Beteiligung bei gesellschaftlich relevanten Fragen im Internet, etwa bei Online‑Petitionen. In der Stichprobe sind Befragte mit höherer Bildung (mindestens Fachabitur oder auf dem Weg dorthin) allerdings deutlich überrepräsentiert (79 Prozent). Während das Internet allgemein als wichtigstes Informationsmedium benannt wird, spielt insbesondere das Fernsehen weiterhin eine große Rolle. Die Themen, für die sich die Befragten interessieren, weisen eine hohe Streuung auf; am häufigsten wurden Krieg/Frieden, Umwelt/Natur/Klima, Bildung/Ausbildung/Beruf, Kinder‑/Jugend‑/Menschenrechte sowie Schutz vor Kriminalität/Gewalt genannt. Die Befragten interessieren sich primär für Fakten und Erklärungen, Meinungen und persönliche Erfahrungen sind demgegenüber weniger bedeutsam. Den Jugendlichen ist es wichtig, dass die Quelle über eine gewisse Expertise verfügt – Journalisten werden hingegen als Quelle weit weniger wichtig eingestuft. Die Befragten nutzen das Internet vor allem rezeptiv; Blogs werden lediglich von jenen genutzt, die auch selbst produktiv bloggen. Die Antworten lassen sich sowohl nach Geschlecht (zum Beispiel Themenwahl), Alter (steigendes politisches Interesse) und Bildungsniveau differenzieren. Die Autorinnen erörtern die Ergebnisse insbesondere unter dem Fokus der mediatisierten Partizipation, das heißt mit der Annahme, dass digitale Medien den Wechsel von der Rezeption von Informationen zur Beteiligung erleichtern. Dabei typologisieren Wagner und Gebel Jugendliche danach, ob sie primär rezipieren, Informationen mit anderen austauschen, quasi selbst journalistisch agieren oder selbst gezielt bestimmte Zielgruppen ansprechen. Sowohl in einzelnen Details als auch in der Gesamtfragestellung erbringt die Studie wichtige neue Erkenntnisse, zumal Medienkonsum und Medienkompetenz bezogen auf Politik noch immer nur unzureichend erforscht sind.
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Rubrizierung: 2.35 | 2.333 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Ulrike Wagner / Christa Gebel: Jugendliche und die Aneignung politischer Information in Online-Medien Wiesbaden: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37896-jugendliche-und-die-aneignung-politischer-information-in-online-medien_46338, veröffentlicht am 11.12.2014. Buch-Nr.: 46338 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA