/ 06.06.2013
Heinz Lynen von Berg / Kerstin Palloks / Armin Steil
Interventionsfeld Gemeinwesen. Evaluation zivilgesellschaftlicher Strategien gegen Rechtsextremismus
Weinheim/München: Juventa Verlag 2007 (Konflikt- und Gewaltforschung); 379 S.; brosch., 42,- €; ISBN 978-3-7799-1496-9Während der Forschungsstand zum Rechtsextremismus inzwischen beachtlich ist, sind diesbezügliche Interventionsstrategien immer noch unzureichend erforscht. Mit der Evaluationsstudie betritt das Autorenteam somit in mancherlei Hinsicht Neuland. Untersucht wird das Bundesförderprogramm „Civitas – initiativ gegen Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern” im Zeitraum von 2001 bis 2006. Das Programm setzte sich zum Ziel, insbesondere eine demokratische Bürgergesellschaft zu fördern, die fähig und bereit ist, sich mit Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Dabei wurden als Strukturprojekte insbesondere Mobile Beratung, Opferberatung und Netzwerkstellen gefördert. Des Weiteren bezog das Programm ebenfalls Modellprojekte und kleinere zivilgesellschaftliche Projekte in die Förderung mit ein. Die Evaluation bezieht sich auf zwei Projektphasen. Zunächst werden die Strukturprojekte hinsichtlich ihres Auftrages bis zum Ende der Modellphase Ende 2003 evaluiert. Danach werden die Wirkungen des Programms in den Blick genommen, wobei dies exemplarisch anhand von drei Kleinstädten geschieht. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass der Ansatz, auf eine Stärkung der Bürgergesellschaft zu setzen, einige erfolgversprechende Potenziale besitzt, trotzdem aber zu kurz greift. Denn erstens fokussiert er allein auf die politische Dimension von Rechtsextremismus, während er die sozialen Bedingungen vernachlässigt. Zweitens geht er von sozialen Voraussetzungen aus, die gerade in weiten Teilen Ostdeutschlands nicht gegeben sind. Insofern wird ein „pluraler Förderansatz” (342) vorgeschlagen, der stärker auf die spezifischen lokalen Kontexte eingeht und die Kombination verschiedener Handlungsansätze des Sozial- und Bildungswesens ermöglicht. Die transparente Untersuchung wird ergänzt um eine methodische Reflexion, die gerade für die Weiterentwicklung der Evaluationsforschung von Interesse ist.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.35 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Heinz Lynen von Berg / Kerstin Palloks / Armin Steil: Interventionsfeld Gemeinwesen. Weinheim/München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9027-interventionsfeld-gemeinwesen_32443, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32443
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Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
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