/ 20.06.2013
Dariuš Zifonun
Gedenken und Identität. Der deutsche Erinnerungsdiskurs
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2004 (Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts 12); 262 S.; kart., 32,90 €; ISBN 3-593-37618-0Zifonun beabsichtigt eine „Theorie der Erinnerungspraxis“ (13) vorzulegen. Das Rahmenthema bildet die kollektive Identitätsbildung als gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Der konkrete Untersuchungsgegenstand ist die Erinnerung an den Nationalsozialismus in Form von Gedenkstätten: das KZ in Dachau und die Topografie des Terrors in Berlin werden zuerst beschrieben. Darauf folgt eine theoretische Reflexion. Mit deren Hilfe entwirft der Autor drei Typen der Erinnerung, die bestimmte Formen kollektiver Identität zulassen: einen Betroffenheits-, einen Schlussstrich- und einen Aufarbeitungsdiskurs. So gerüstet kehrt das letzte Kapitel noch einmal zu den Gedenkstätten zurück, um den grundlegenden Mechanismus der Identitätsbildung - die Stigmaumkehrung - besser herauszuarbeiten. Gedenkstätten scheinen demnach zwar auf den ersten Blick die Bildung nationaler Identität zu gefährden, da sie ein Schuldeingeständnis darstellen. Doch „produktiv ist die Erinnerung, weil symbolische Erinnerungsformen entstanden sind, die eine ‚Abwehr' der Schuld bei gleichzeitiger ‚Annahme' der Geschichte und Reetablierung der zugrunde liegenden mythischen Gemeinschaft und ihrer kollektiven Identität ermöglichen“ (14).
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Dariuš Zifonun: Gedenken und Identität. Frankfurt a. M./New York: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22530-gedenken-und-identitaet_25705, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 25705
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Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
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