/ 03.06.2013
Wolfram Bickerich
Franz Josef Strauß. Die Biographie
Düsseldorf: Econ 1996; 376 S.; geb., 44,- DM; ISBN 3-430-11436-5Bickerich arbeitet als Journalist beim SPIEGEL und dementsprechend ist "die" Biographie nicht "die" wissenschaftliche, sondern eine gut lesbare, fast spannend geschriebene Darstellung eines umstrittenen Politikerlebens. Für den wissenschaftlichen Leser ist vor allem der vollständige Verzicht auf den Nachweis von Zitaten der entscheidende Mangel. Andererseits bietet das Insider-Wissen des Autors, der mit der Bonner Szene bestens vertraut ist, immer wieder reizvolle Einsichten.
Bickerich folgt im wesentlichen der biographischen Chronologie, unterbrochen nur durch zwei Querschnittskapitel, die sich mit dem Redner FJS und mit den "falschen Freunden" befassen. Anders als die kürzlich erschienene kleine Strauß-Biographie von Wolfgang Krieger, die die enge Vernetzung des Lebens von FJS mit der Geschichte der "alten" Bundesrepublik in den Mittelpunkt stellte, interessiert sich Bickerich vor allem für den Menschen FJS in seiner Ambivalenz. Dabei wechseln interessante Einblicke z. B. über die midlife-crisis von Strauß mit eher einfachen Psychologismen. Politische Ziele und politisches Handeln von Strauß werden insgesamt eher kritisch dargestellt, ohne dabei das "Faszinosum" Strauß herabzusetzen. Erstaunlich knapp und ohne jede Sensationshascherei wird Strauß' Rolle bei der Einfädelung des berühmten Milliardenkredits für die DDR beschrieben.
Torsten Oppelland (TO)
Prof. Dr., Politikwissenschaftler, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Torsten Oppelland, Rezension zu: Wolfram Bickerich: Franz Josef Strauß. Düsseldorf: 1996, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/1431-franz-josef-strauss_1617, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 1617
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Prof. Dr., Politikwissenschaftler, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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