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/ 17.06.2013
Ute Richter-Eberl

Ethnisch oder National? Aspekte der russlanddeutschen Emigration in Deutschland 1919-1969

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2001 (Moderne Geschichte und Politik 17); 174 S.; brosch., 33,20 €; ISBN 3-631-37163-2
Geschichtswiss. Diss. Tübingen; Gutachter: D. Beyrau. - Die Untersuchung widmet sich den so genannten Russlanddeutschen, genauer den im 18. und 19. Jahrhundert nach Russland ausgewanderten deutschen Kolonisten, die in der Folge erstens der Oktoberrevolution von 1917 und dem anschließenden Bürgerkrieg in die Weimarer Republik (etwa 60000) und zweitens des Zweiten Weltkrieges in die Bundesrepublik (etwa 50000) auf Dauer emigrierten. Diese Entwicklung wird zunächst mit einem zusätzlichen Kapitel zur Eindeutschungspolitik der Nationalsozialisten in den "Ostgebieten" nachgezeichnet, womit bereits die chronologische Gliederung der Arbeit offen liegt. Das Ziel der Arbeit ist darzulegen, wie sich diese Russlanddeutschen in Deutschland gesellschaftlich und politisch eingerichtet haben. Der Betrachtungszeitraum reicht bis 1969, dem Jahr der Abschaffung des Bundesministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte. Die Darlegung stützt sich neben anderem auf ein Studium deutschsprachiger Quellen. Inhaltlich orientiert sich die Einschätzung der gesellschaftspolitischen Stellung der Russlanddeutschen in Deutschland an den Begriffen ethnisch-konfessionell einerseits und national-säkular andererseits. Eine begriffliche Verdeutlichung findet nicht statt, was spätestens dann zu Nachfragen anregt, wenn auch die Rassebiologie der Nationalsozialisten als national-säkular bezeichnet wird. Der Ausgangspunkt ist folgender: "Die Russlanddeutschen verstanden sich nicht als einheitliches Volk, sondern definierten sich über ein ständisch-traditionelles, ethnisch-konfessionelles Selbstverständnis." (11) Die gesellschaftlich-politischen Bemühungen der Russlanddeutschen werden dann als Auseinandersetzung mit einem national-säkularen Gesellschaftsverständnis entfaltet. Für die drei dargestellten Phasen kommt die Autorin zu dem Schluss, dass sich aufgrund vielfältiger Prozesse je eine Politisierung des ursprünglich ethnisch-konfessionellen Selbstverständnisses hin zu einem national-säkularen vollzog. Insofern zieht die Autorin das Fazit, dass die Emigration zuallererst eine russlanddeutsche Nationalität hervorbrachte, die dann einer Integration der Gruppe in Deutschland entgegenstand.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Ute Richter-Eberl: Ethnisch oder National? Frankfurt a. M. u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16498-ethnisch-oder-national_18943, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18943 Rezension drucken
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