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/ 22.06.2013
Oliver-Timo Henssler

Entscheidungstheoretische Determinanten politischen Handelns. Ein Analysemodell auf Basis des rot-grünen Koalitionsvertrages NRW 2000

Online-Publikation 2011 (http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=24192); 300 S.
Diss. Duisburg-Essen; Begutachtung: K.-R. Korte, A. Blätte. – Politiker stehen häufig vor dem Dilemma, dass sie einerseits bei den Wählern um Stimmen werben müssen, um ausreichende Legitimation zu erfahren, andererseits ist es aber auch notwendig, unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen. Für die Praxis ergibt sich daher die Frage, wie eine Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern aussehen kann und muss. Henssler interessieren jene Mechanismen, die das Verhältnis von Darstellung und tatsächlichem Handeln bestimmen. Er möchte diese mithilfe einer Inhaltsanalyse des 2000 geschlossenen nordrhein-westfälischen Koalitionsvertrages identifizieren. Zwei erkenntnisleitende Fragen, die nacheinander von ihm beantwortet werden, steuern die Analysen: 1. Inwieweit wurden die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Handlungsabsichten tatsächlich umgesetzt? 2. Unter welchen Umständen gehen aus den politischen Handlungsabsichten konkrete Entscheidungen hervor und welche Faktoren bestimmen das Verhältnis von Darstellungs- und Handlungspolitik? Sein selbst entwickeltes Analysemodell berücksichtigt mehrere Ebenen, mit deren Hilfe die potenzielle Umsetzbarkeit von im Koalitionsvertrag geäußerten Absichten eingeschätzt werden kann. So geht Henssler unter anderem davon aus, dass regulative und redistributive Maßnahmen schwieriger von der Regierung durchzusetzen sind als solche, die Gelder oder Leistungen an die Bevölkerung oder einzelne Gruppen verteilen. Außerdem bildet er den Spezifikationsgrad der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Handlungsbekundungen durch die Unterscheidung in allgemein, spezifisch und konkret ab. Waren die Absichten der Koalition als konkret einzustufen, hat Henssler sie mithilfe von Interviews sowie einer Internet- und Datenbankenrecherche auf ihre reale Umsetzung hin überprüft. Insgesamt betrifft dies 66 Absichten, wovon die NRW-Regierung 47 umsetzen, fünf wenigstens anstoßen konnte. Besonders bei der Bildungs- (über 90 Prozent) und Innenpolitik (75 Prozent) realisierte die Koalition eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Absichtsbekundungen. Anders als zu Beginn der Untersuchung erwartet, beschloss die Landesregierung aber vor allem regulative und nicht so sehr distributive Gesetze. Hensslers empirische Arbeit überzeugt mit einem klar dargelegten Vorgehen, einer verständlichen Sprache und einer kritischen Reflexion der eigenen Ergebnisse und ihrer Verallgemeinerbarkeit.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.322.3252.3312.34 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Oliver-Timo Henssler: Entscheidungstheoretische Determinanten politischen Handelns. 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34719-entscheidungstheoretische-determinanten-politischen-handelns_41730, veröffentlicht am 23.02.2012. Buch-Nr.: 41730 Rezension drucken
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