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/ 21.06.2013
Rainer Rilling (Hrsg.)

Eine Frage der Gewalt. Antworten von links

Berlin: Karl Dietz Verlag 2008 (Rosa-Luxemburg-Stiftung: Texte 49); 140 S.; brosch., 9,90 €; ISBN 978-3-320-02157-3
Der Band dokumentiert eine Debatte über das Verhältnis der Linken zur Gewalt, die die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) im Sommer 2007 aus Anlass der gewaltsamen Ausschreitungen während der Demonstration anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm angeregt hatte. An der Diskussion beteiligten sich vor allem jene, die an der Demonstration teilgenommen hatten und „es debattierten Menschen, die nicht so einfach zusammenkommen“ (9). Entsprechend vielseitig und kontrovers sind die in den Beiträgen vertretenen Auffassungen und Begründungen zur Gewaltfrage innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung und der Linken. Einige Beiträge beziehen sich direkt auf die Geschehnisse in Heiligendamm, so etwa der persönliche Beobachtungsbericht von Wolf-Dieter Narr, in dem er einräumt, dass Gewaltfreiheit zwar „nicht durchgehend leicht zu praktizieren“ sei, jedoch zu bedenken gibt, dass sie bei der Verfolgung politischer Ziele für Demonstrierende „die einzige in Substanz und Form mögliche Wahl dar[stellt]“ (21). Demgegenüber plädiert eine Gruppe autonomer, ehemaliger RLS-Stipendiaten für die Anerkennung militanten Widerstandes. Zum Teil wird Bezug auf ein Positionspapier aus den Reihen der RLS genommen, mit dem diese sich nach der Demonstration von bestimmten politischen Spektren der Bewegung distanziert hatten, was nun von Bernd Hüttner im Rückblick als „ein Kniefall vor dem absichtsvoll medial produzierten Bild der ‚sinnlosen Gewalt’“ bezeichnet und „für politisch falsch“ (44) erachtet wird. In anderen Beiträgen wird die Frage der Gewalt aus philosophischer und historischer Perspektive betrachtet. So setzt sich Manfred Lauermann mit den Gewaltdiskursen der 68er-Bewegung auseinander und – ebenso mit Bezug auf 1968 und die RAF – mahnt Peter Wahl, Gewaltaktionen nicht als Randphänomen zu verharmlosen. „Es wäre nicht das erste Mal“, so Wahl, „dass mit diesem Thema versucht würde, die Linke zu isolieren“ (62). Für die insgesamt als notwendig erachtete weitere Auseinandersetzung mit Gewalt, Militanz und zivilem Ungehorsam bietet der Band vielfältige Anknüpfungspunkte.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22.222.3312.25 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Rainer Rilling (Hrsg.): Eine Frage der Gewalt. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29527-eine-frage-der-gewalt_34957, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 34957 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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