/ 11.09.2014

Willi Kaczorowski
Die smarte Stadt – Den digitalen Wandel intelligent gestalten
Stuttgart/München: Richard Boorberg Verlag 2014; 226 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-415-05215-4Der Band verbindet zwei der wichtigsten Trends der globalen Gegenwart: den einer zunehmenden Urbanisierung mit dem der zunehmenden Digitalisierung so gut wie aller Gesellschaften dieses Planeten. Willi Kaczorowski, lange Zeit ein führender Berater eines Informationstechnikkonzerns, geht es primär um die Frage, wie sich Städte im Umgang mit den für sie relevanten Daten so aufstellen können, dass von einem intelligenten Umgang mit den verfügbaren Datenströmen ein Zugewinn für die urbane Lebensqualität ausgeht. Ziel ist die Verwirklichung eines neuen Leitbildes: „Smart City“, so ein Strategiepapier der Wiener Stadtwerke, das Kaczorowski zitiert, „bezeichnet eine Stadt, in der systematisch Informations‑ und Kommunikationstechnologien sowie ressourcenschonende Technologien eingesetzt werden, um den Weg hin zu einer postfossilen Gesellschaft zu beschreiten [...] und die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Wirtschaft dauerhaft zu erhöhen“ (22). Auch wenn dieses Zitat gekürzt ist – Kaczorowski spricht natürlich auch davon, dass die Smart City besser als die bisherige, noch zu sehr analoge Stadt in der Lage sein wird, Migranten zu integrieren, die politische Partizipation zu stärken etc. –, zeigt es doch die allzu deutliche Zielrichtung des Vorhabens. Die umfängliche Vernetzung aller Lebens‑ und Daseinsbereiche – mehr, als dies ohnehin schon geschieht – gehorcht letztlich ökonomischen Motiven: sei es, dass verschiedene Geschäftsfelder besser vernetzt werden können, sei es, dass Smart Citys ein besserer Unternehmensstandort sind, oder sei es auch, dass diejenigen Konzerne profitieren, die die erforderliche Infrastruktur für den Aufbau und den Betrieb der Smart City stellen. Hat man erst einmal die Infrastruktur einer gläsernen Stadt zusammen, dann stellt sich konsequent die Frage nach dem Umgang mit den generierten Daten. Kaczorowski, ganz Pragmatiker, schwebt eine effiziente Datenvernetzung in einem hierarchischen Modell vor, das er als „City Dashboard“ beziehungsweise als „City Cockpit“ (179) beschreibt. Wer in dieser Leitwarte aller Daten über deren Verwendung bestimmt, darüber schweigt er sich aus. Angesichts der jüngsten Entwicklungen um westliche Spionagetätigkeiten, in die nicht zuletzt auch Konzerne aus der Informationstechnologie maßgeblich involviert waren, ist dies eine inakzeptable Leerstelle. Nur so viel: „Der Phantasie ist hier keine Grenze gesetzt.“ (180) Als naiv lässt sich eine solche Haltung heute kaum mehr angemessen bezeichnen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 2.325 | 2.333 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Willi Kaczorowski: Die smarte Stadt – Den digitalen Wandel intelligent gestalten Stuttgart/München: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37518-die-smarte-stadt--den-digitalen-wandel-intelligent-gestalten_45743, veröffentlicht am 11.09.2014. Buch-Nr.: 45743 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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