/ 01.08.2013
Alexander Hensel / Stephan Klecha
Die Piratenpartei. Havarie eines politischen Projekts?
Online-Publikation 2013 (OBS-Arbeitsheft 74/http://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/AH74_Piraten_web.pdf); 107 S.Ohne von der Seefahrt inspirierte Bilder kommen die wenigsten Publikationen zu den Piraten aus. Dies ist einerseits kaum zu verhindern und andererseits womöglich nicht so schlimm, weil die wenigsten der für die Piraten relevanten Wähler durch die von marinen Floskeln geprägten und von Seemannsgarn befeuerten schleswig‑holsteinischen Wahlkämpfe der späten 80er‑ und 90er‑Jahre geschleust wurden. Dennoch bietet die von Hensel und Klecha vorgelegte Schrift mehr als eine intensive Diskussion zur Zukunft der Piratenbewegung als parteipolitisches Projekt. Beide Autoren sind profunde und in Deutschland führende Kenner der Piratenszene, die es nicht bei einem Blick aus dem Elfenbeinturm belassen, sondern das Leben der Politpiraten direkt begleiten. Mit dieser Monografie ist den beiden eine facettenreiche Einführung für Nicht‑Piraten gelungen, die wichtige Entwicklungsetappen ebenso wie den organisatorischen Aufbau und die inhaltlichen Eckpfeiler skizziert. Abgerundet wird dies mit Ausführungen zum gesellschaftlichen Umfeld der Piratenpartei, ihrer Verortung im politischen System und den ersten Gehversuchen im Parlamentarismus. Wie die meisten Sozialwissenschaftler befinden sich die Autoren in der gleichermaßen komfortablen wie misslichen Situation, gesellschaftliche Entwicklungen frühzeitig analysieren und beurteilen zu dürfen bzw. zu müssen. Ihren Prognosen wird daher stets eine Restgröße Unsicherheit anhaften. Hensel und Klecha setzen dieser Beliebigkeit klare Aussagen zum Gelingen einer dauerhaften Existenz piratiger Parteien entgegen. Hierbei lassen sich durchaus klassische Entwicklungsphasen jeder Parteiwerdung wie die Bündelung von Protestwählerschaften oder der Wandel vom Charme zur Last der Unprofessionalität erkennen. Die dauerhafte Etablierung der Piratenpartei wird sich allerdings auch an der Fähigkeit zur Absorption Piraten‑affiner Themen im etablierten Parteienspektrum zeigen. Im Anschluss bleibt ferner genügend Raum, um über die parteipolitische Relevanz dieser Themen, besser noch: über die Entwicklung politischer Kommunikation und Mitwirkung jenseits des Parteienstaats, zu diskutieren.
Thorsten Schumacher (THS)
M. A. (Politikwissenschaft, Philosophie, Öffentliches Recht), Referent im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Thorsten Schumacher, Rezension zu: Alexander Hensel / Stephan Klecha: Die Piratenpartei. 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36007-die-piratenpartei_44287, veröffentlicht am 01.08.2013.
Buch-Nr.: 44287
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M. A. (Politikwissenschaft, Philosophie, Öffentliches Recht), Referent im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.
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