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/ 05.06.2013
Christian Meier

Die parlamentarische Demokratie

München/Wien: Carl Hanser Verlag 1999; 272 S.; Ln., 45,- DM; ISBN 3-446-19656-0
Trotz aller Bewunderung für das "Kunstwerk Parlament" drängen sich "Unzulänglichkeiten und Mängel dieser politischen Form [...] immer wieder dem Blick auf. Allein, gibt es unter den gegenwärtigen Verhältnissen bessere? Ich glaube, nein" (257). Der zeitgenössischen Kritik an den tatsächlichen und vermeintlichen Mängeln der bundesdeutschen parlamentarischen Demokratie stellt der Historiker Meier ein ebenso fundiert sachliches wie engagiertes Plädoyer für unsere Staatsform entgegen. Nach einem ersten Kapitel zu rechts-, geschichts- und politikphilosophischen Aspekten des Themas leitet Meier die Genese, auch die ideelle, des Parlamentarismus ab, um im folgenden zunehmend lehrbuchartig die Eckdaten des bundesdeutschen Parlamentarismus bis 1999 zu beschreiben und zu analysieren. Dabei zeigt er immer wieder historische Grundlinien des deutschen Parlamentarismus vom Mittelalter bis heute auf und stellt auch Vergleiche zum prototypischen britischen Modell an. Beim wiederholten Abwägen von Vor- und Nachteilen der parlamentarischen Demokratie wird Meiers Anliegen deutlich, unser Regierungssystem durch Information über seine Theorie und Praxis zu stärken und wieder tiefer in der Bürgerschaft zu verankern, ohne dabei die zum Teil berechtigte Kritik beiseite zu wischen. Obwohl das Buch inhaltlich keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse bietet, ist es in seinem breiten Ansatz und ebenso fundierten wie unverkrampften Nachdenken für Fachleute ebenso wie für den interessierten Bürger geeignet. In der Form ist Meiers Buch essayistisch angelegt; wissenschaftliche Belege fehlen ebenso wie ein Register. Man muß den Band schon komplett lesen, wenn es einem um die vielen enthaltenen konkreten Sachinformationen geht, und sich dabei stets mit Meiers Gedanken auseinandersetzen. So bietet der Band eine im besten Sinne konstruktive Brücke zwischen der Empirie, der Reflexion darüber und einem normativen, von staatsbürgerlichem Verantwortungsbewußtsein getragenem Aufklärungsanspruch. Inhalt: I. Der Sinn der Demokratie; II. Die Herkunft des Parlaments; III. Wahlen, Abgeordnete, Parteien; IV. Aufgaben des Bundestags; V. Die Organisation des Bundestags; VI. Die Arbeit des Bundestags; VII. Ein Plädoyer für die parlamentarische Demokratie.
Andreas Beckmann (AB)
M. A., Doktorand, Institut für Sozialwissenschaften, Bereich Politikwissenschaft, Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.3212.212.331 Empfohlene Zitierweise: Andreas Beckmann, Rezension zu: Christian Meier: Die parlamentarische Demokratie München/Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8092-die-parlamentarische-demokratie_10699, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 10699 Rezension drucken
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