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/ 11.06.2013
Josef Schmid

Die Moralgesellschaft. Vom Elend der heutigen Politik

München: Herbig 1999; 208 S.; geb., 39,90 DM; ISBN 3-7766-2122-2
"Dieses Buch verdankt sich dem Innehalten auf einem Lebensgang, der den Autor verpflichtet, Weltereignisse zur Kenntnis zu nehmen und zu interpretieren." (7) Rückt sich ein Autor mit dem ersten Satz seines Buches so in Positur, dann sollte sich der Leser auf permanente Belehrung im hohen, pathetischen Ton einstellen. Als Frage bleibt dann nur: Aus welcher Quelle speist sich die Unbeirrbarkeit einer Diagnose, die "das Elend der heutigen Politik" darin erblickt, daß die Bundesrepublik eine "Moralgesellschaft" geworden sei? Eine "Moralgesellschaft" - so lesen wir schon in der Einleitung - ist wirklichkeitsscheu und entscheidungsschwach (7), traut sich "keine eigene außenpolitische Sprache" (11) zu und flüchtet sich statt dessen in "eine unausgegorene, unklare Europaidee" (10). Und wo die "Herrschaft des Parteienstaates" als Hauptbedrohung der gegenwärtigen Politik gilt (14), darf der anklagende Hinweis auf den "Einfluß nicht-legitimierter Intellektueller" (13) nicht fehlen. Der Verfasser, Bevölkerungswissenschaftler der Universität Bamberg, bekennt sich zur "klassischen republikanischen Bestimmung von Politik [...] einer Politik des wahren Volkswillens" (13). In den Themen Asylpolitik und Einwanderungen hat die Suche nach dem "Volkswillen" ihren eigentlichen Gegenstand gefunden, der etwa zwei Drittel des Buches einnimmt. Als Kostprobe: Mit der (gerade in Kraft getretenen) Reform des Staatsbürgerschaftsrechts leitet die Bundesregierung eine "Entdeutschung des Aufnahmelandes Deutschland" (177) ein. Seine eigene politische Position sieht der Autor selbst in der "eines Jakobiners der Konterrevolution" (8) – hinter das "jakobinische" Prädikat dürfte man durchaus ein Fragezeichen setzen. Inhalt: 1. Am Ende eines ideologischen Jahrhunderts?; 2. Staat und Nation - eine glückliche Vernunftehe; 3. Kultur - Multikultur - Kulturkampf; 4. Das Bevölkerungsdilemma Deutschlands und des Westens; 5. Die Asylfrage zwischen Grundrecht und Gesinnungspolitik; 6. Einwanderung - das zweischneidige Schwert; 7. Weltkonflikte und der moralische Krieg.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.35 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Josef Schmid: Die Moralgesellschaft. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10062-die-moralgesellschaft_11900, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11900 Rezension drucken
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