/ 04.06.2013
Thomas Dietz
Die grenzüberschreitende Interaktion grüner Parteien in Europa
Opladen: Westdeutscher Verlag 1997 (Studien zur Sozialwissenschaft 186); 316 S.; 68,- DM; ISBN 3-531-13038-2Diss. Mannheim; Gutachter: M. Kaase, T. Poguntke. - Dietz legt hiermit eine der wenigen aktuellen und detaillierten Studien zur Zusammenarbeit der Parteien in Europa vor. Der Autor hat sich die grünen Parteien in Europa als Untersuchungsobjekt gewählt, da zu erwarten sei, daß die in fast allen Ländern vertretenen Parteien in Zukunft auch zunehmend an Regierungen beteiligt sein werden. Ausgehend von der Beobachtung, daß die Europäische Union unter einem "Demokratie- und Legitimitätsdefizit" (15) leidet, das allein durch Regierungszusammenarbeit nicht überwunden werden kann, hebt der Autor die Bedeutung von parlamentarischer und außerparlamentarischer Kooperation der Parteien hervor. Sie könne als "integrativer Faktor" wirken und "Transmissionsfunktionen" (17) in der politischen Ordnung der EU erfüllen.
Ziel des Autors ist es weniger, die tatsächliche Bedeutung der Parteien für die politische Integration zu untersuchen, sondern zunächst zu bestimmen, inwieweit sich Voraussetzungen für deren aktive Rolle entwickelt haben. Dietz analysiert "die Intensität der grenzüberschreitenden Parteieninteraktion der Grünen" und ihre "Bestimmungsfaktoren" (18). Im vierten Kapitel stehen die Kooperationsformen zwischen dem Parteienbund der Grünen und ihrer europäischen Fraktion im Vordergrund. Abschließend wendet sich der Autor der konkreten Frage zu, wo Ansätze zur "Wahrnehmung der Aggregations- und Artikulationsfunktion" (19) - insbesondere eine Vorbereitung von Wahlen auf europäischer Ebene - vorhanden sind.
Die notwendige Abgrenzung "grüner" Parteien unternimmt Dietz anhand programmatischer (Umweltschutz, direkte Demokratie) und struktureller Kriterien (basisdemokratische Organisation, unkonventionelle Protestaktionen). Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Auswertung von Dokumenten bis zum Jahr 1992, ausgewählten Unterlagen der Jahre 1992-1995 sowie Interviews mit zahlreichen Vertretern grüner Parteien in Europa. Dem zweiten und dritten Kapitel ist ein Abschnitt zur Erläuterung des theoretischen Rahmens und Vorgehens vorangestellt. Es folgt jeweils eine Beschreibung der historischen Entwicklung und des Stands und der Bestimmungsfaktoren der Interaktion.
Aus dem Inhalt: 1. Einleitung; 2. Die außerparlamentarische Interaktion: 2.1. Analysemodell; 2.2. Historische Entwicklung; 2.3. Die Entwicklung des Interaktionsgrads; 2.4. Die Bestimmungsgründe der Entwicklung des Interaktionsgrads. 3. Die parlamentarische Interaktion; 4. Das Zusammenwirken von parlamentarischer und außerparlamentarischer Interaktion: 4.1. Koordination grüner und radikaler Parteien und Technische Fraktion. 5. Die Erfüllung von Transmissionsfunktionen: 5.1. Die Outputseite - allgemeine Politikvermittlung; 5.2. Organisation der Europawahlkämpfe; 5.3. Die Inputseite - Politikformulierung und ihre Einbringung in das institutionelle System der EU.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 3.4 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Thomas Dietz: Die grenzüberschreitende Interaktion grüner Parteien in Europa Opladen: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4531-die-grenzueberschreitende-interaktion-gruener-parteien-in-europa_6360, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 6360
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
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