/ 11.06.2013
Katharina Kleinen-von Königslöw
Die Arenen-Integration nationaler Öffentlichkeiten. Der Fall der wiedervereinten deutschen Öffentlichkeit
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 333 S.; brosch., 39,95 €; ISBN 978-3-531-16988-0Polwiss. Diss. Jacobs University Bremen; Gutachter: H. Wessler. – Zwanzig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung geht die Autorin der Frage nach, ob mittlerweile auch von einer gemeinsamen politischen Öffentlichkeit gesprochen werden kann, an der die wiedervereinigten Landesteile gleichermaßen teilhaben können. Sie analysiert die Fernseh- und Zeitungsberichterstattung in Ost und West und greift auf die entsprechenden Mediennutzungsdaten zurück. Zunächst befasst sich Kleinen-von Königslöw jedoch mit der theoretischen Problematisierung des Öffentlichkeitsbegriffs und einer Definition der Arenen-Integration. Unter Integration versteht sie nicht einen Prozess, sondern einen Zustand im Sinne einer „Beschreibung des Zusammenhalts von Teilen in einem systemischen Ganzen“ (39). Nun ist damit aber im Hinblick auf eine nationale Öffentlichkeit auch mehr als lediglich die Vernetzung von Inhalten verschiedener Teilöffentlichkeiten gemeint. In Anlehnung an das diskurstheoretisch fundierte Arenen-Modell vom Myra Marx Ferree zählen auch Phänomene wie die Bildung kollektiver Identität, die Verweise auf politische Institutionen und Akteure als Inhalt oder als Sprecher, die Ähnlichkeit der jeweiligen Diskurse u. a. m. hinzu. Als Resümee hält Kleinen-von Königslöw zwar fest, dass die deutsche Öffentlichkeit als ausreichend integriert erachtet werden könne, benennt jedoch widerstrebende Tendenzen. Bei der Untersuchung der Ähnlichkeit der Diskurse kommt die Autorin im Hinblick auf den Wahlerfolg der NPD zu einem für sie überraschenden Ergebnis. Hier seien nicht die ostdeutschen Medien durch mangelnde Berichterstattung aufgefallen, sondern „die regionalen westdeutschen Medien, die sich nicht ausreichend mit dem Thema […] auseinander setzen“ (292). Als „problematisch“ in der Berichterstattung ostdeutscher Medien hingegen benennt Kleinen-von Königslöw eine „Überbetonung ostdeutscher Institutionen, Themen, Hauptakteure und Sprecher“, was „eine gewisse Egozentrik“ (292) bezeuge.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.333 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Katharina Kleinen-von Königslöw: Die Arenen-Integration nationaler Öffentlichkeiten. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9655-die-arenen-integration-nationaler-oeffentlichkeiten_38280, veröffentlicht am 26.07.2010.
Buch-Nr.: 38280
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA