/ 04.06.2013
Ulrich Wickert
Deutschland auf Bewährung. Der schwierige Weg in die Zukunft. Ein Essay
Hamburg: Hoffmann und Campe 1997; 334 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-455-11215-3Wickert reflektiert in unterhaltsamer Sprache das Phänomen nationaler Identität und die Spezifika der deutschen Nation. Er zeigt sich als ein überaus geschichtsbewußter Beobachter der grundsätzlichen Probleme, aber auch der aktuellen Debatten über die deutsche Vergangenheit (Goldhagen, Wehrmachtsausstellung). Sein Ausgangspunkt ist in Anlehnung an Richard von Weizsäcker, daß insbesondere die Geschichte eines Volkes dessen nationales Selbstverständnis bestimmt - und auch bestimmen sollte. Geschichtspatriotismus und ein nach vorne blickender Aufgabenpatriotismus schaffen danach verbindende und verpflichtende Elemente einer nationalen Identität (153). Aufgrund der geteilten Geschichte werde es insofern noch einige Zeit dauern, bis das vereinigte Deutschland ein gemeinsames Nationenverständnis entwickelt. Des weiteren untersucht der Autor die Eigenarten und Wirkungsweisen "deutscher" Symbole, Mythen und Traditionen. Beispielsweise wird ausführlich die Geschichte der deutschen Nationalhymne beschrieben. Wickert würde im Ergebnis dem derzeitigen Text lieber die "Kinderhymne" von Bert Brecht (1949) vorziehen (169 ff.). Er nimmt sich aber auch der "heißen Eisen" der öffentlichen Diskussion an. Z. B. wendet er sich entschieden gegen das Blutsprinzip im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht: "Es mutet merkwürdig an, daß die deutsche Politik sich so schwertut, vom ius sanguinis Abschied zu nehmen." (130)
Stefan Lembke (SL)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.35 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Stefan Lembke, Rezension zu: Ulrich Wickert: Deutschland auf Bewährung. Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4040-deutschland-auf-bewaehrung_5731, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 5731
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M. A., Politikwissenschaftler.
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