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/ 03.06.2013
Burkhard Schröder

Der V-Mann

Hamburg: Rotbuch Verlag 1997; 216 S.; 19,90 DM; ISBN 3-88022-516-8
"Dies ist die Geschichte von Michael Wobbe, ein Skinhead vom Dorf, der glaubte, ein richtiger Agent zu sein, der ein sehr großes Rad drehte und der doch nur ein kleines Rädchen in einem größeren Spiel war." (10) Journalistische Porträts der Karrieren und biographischen Hintergründe deutscher Neonazis sind in den letzten Jahren mehrfach vorgelegt worden, darunter die zu Ingo Hasselbach ("Die Abrechnung") und Ewald Althans ("Beruf: Neonazi") als die bekanntesten. Der Autor, seit 1992 mit mehreren Veröffentlichungen über Personen und Milieu des Neonazismus in Deutschland hervorgetreten, liefert einen weiteren Beitrag zu dieser Form des "Porträts einer politischen Biographie". Das Besondere am Fall Wobbe - seine Tätigkeit als V-Mann des niedersächsischen Verfassungsschutzes von 1992 bis zu seiner Enttarnung 1994 - nutzt Schröder, um die maßgebliche Rolle von Verfassungsschutzeinrichtungen beim Zustandekommen neonazistischer Aktionen zu demonstrieren. Das Motiv des agent provocateur wird dabei jedoch nicht bis zur Analyse der juristischen Grauzone entwickelt, die zwischen dem Einsatz ordnungsstaatlicher Mittel an der Grenze zur Legalität und einer dadurch möglicherweise in Kauf genommenen Herbeiführung von Straftaten entsteht, obwohl letzteres als Vorwurf an bundesdeutsche Verfassungsschützer durchaus der Tenor des Bandes ist.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3242.3252.37 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Burkhard Schröder: Der V-Mann Hamburg: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/2968-der-v-mann_3888, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 3888 Rezension drucken
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